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Kommentar: Regierung in Dhaka muss handeln

Erneut sind islamkritische Publizisten in Bangladesch Opfer extremistischer Gewalt geworden. Die Regierung spielt unterdessen den unbeteiligten Zuschauer. Ein unerträglicher Zustand, meint Debarati Guha.

Es besteht kein Zweifel mehr daran, dass Bangladesch sich zu einem der gefährlichsten Länder für diejenigen entwickelt, die für Meinungsfreiheit und Vernunftgebrauch einstehen. Die beiden jüngsten Anschläge vom Samstag mit einem Toten und drei Schwerverletzten machen einmal mehr deutlich, dass extremistische Gewalt im heutigen Bangladesch fest verankert ist.

Die mit Macheten und Beilen bewaffneten Attentäter hatten zwei Verleger des ebenfalls ermordeten islamkritischen Schriftstellers Avijit Roy sowie zwei Blogger in ihren Büroräumen angegriffen. Mag auch die Identität der Attentäter und Mörder unbekannt sein, so ist ihre Geisteshaltung und Motivation umso klarer. Diese Extremisten sind auf einen langen Kampf gegen Säkularismus und Meinungsfreiheit eingestellt, Errungenschaften, auf die Bangladesch stolz sein darf. Die junge und aufstrebende Nation soll terrorisiert und paralysiert werden.

Regierung stellt sich taub

Darf man auf diese tödliche Bedrohung mit einem Achselzucken reagieren? Das Schweigen der Regierung ist laut und vernehmlich. Irgendwelche Anzeichen, dass sie sich als verantwortlich für die Gewährleistung der Sicherheit der Bürger sieht? Fehlanzeige! Die regierende Awami-Liga von Ministerpräsidentin Scheikh Hasina glänzt auf den Demonstrationen für besseren Schutz der säkularen Blogger durch Abwesenheit. Kann es sein, dass Regierung und Strafverfolgungsbehörden zuschauen, wie das Land von den Anhängern eines Gottestaates in den Abgrund von Militanz und Gewalt gestürzt wird?

Debarati Guha ist Leiterin der DW-Bengali-Redaktion

Debarati Guha ist Leiterin der DW-Bengali-Redaktion

Fragen, die schon oft an Scheikh Hasina gerichtet wurden, aber sie treffen bei ihr auf taube Ohren. Bemerkenswert ist, dass sowohl der Vater des ermordeten Verlegers als auch die Witwe des ermordeten Bloggers Avijit Roy öffentlich erklärt haben, dass sie in einem Strafverfahren gegen die Mörder keinen Sinn sähen. "Die Regierung wird weiterhin behaupten, dass es kein Anzeichen für islamistischen Terrorismus im Lande gäbe", erklärte Rafida Ahmed Bonya, die Witwe Roys.

Die Saat der Extremisten geht auf

Es ist schon unglaublich, dass die Ministerpräsidentin die Präsenz des "Islamischen Staates" in Bangladesch negiert und stattdessen die Opposition für alle fundamentalistischen Tendenzen verantwortlichen macht. Dabei hat eine lokale islamistische Gruppe die Verantwortung für das Attentat auf die beiden Verleger übernommen. Aber im Grunde spielt es keine Rolle, ob Bangladesch ein spezifisches Problem mit dem "IS" hat oder nicht - entscheidend ist, dass die Saat des islamistischen Extremismus droht, auch dort aufzugehen und das Land zu verderben.

Erst waren es die Blogger, jetzt sind auch die Verleger im Visier der Extremisten. Es soll nichts geschrieben und auch nichts verbreitet werden, was den Islamisten nicht in den Kram passt. Das große Tabu heißt "Atheismus", wer es bricht, begibt sich in Lebensgefahr. Die Regierung von Ministerpräsident Sheikh Hasina ist erneut dringend aufgefordert, diese Attentate und die tödliche Bedrohung für Autoren und Blogger im Lande ernst zu nehmen und zu handeln.

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