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Politik

Kommentar: Reden ist sinnlos, wenn das Vertrauen fehlt

Die Atom-Gespräche mit Nordkorea sind gescheitert - der nordkoreanische Delegationsleiter ist abgereist. Schuld am jetzigen Rückschlag sind die Details, meint Alexander Freund.

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Alles Reden ist bekanntlich sinnlos, wenn das Vertrauen fehlt. Und beim Atom-Poker mit Nordkorea vertraut eigentlich keiner so wirklich dem Anderen. Zu oft hat Pjöngjang die Abmachungen gebrochen - zu unklar sind die Signale, die vor allem Washington ausgesendet hat, weil es Nordkorea noch immer auf der “Achse des Bösen” verortet.

Atom-Deal erfordert Geben und Nehmen

Pjöngjang hat die Sechs-Parteien-Gespräche platzen lassen, weil sich diesmal die anderen Verhandlungspartner nicht an die Spielregeln gehalten haben. Denn der Atom-Deal ist ein gedeihliches Geben und Nehmen. So hatte Pjöngjang Mitte Februar zugesichert, seinen Atomreaktor in Yongbyon innerhalb von 60 Tagen abzuschalten und – wenn es die ersten Wirtschafts- und Energielieferungen erhalten hat - auch wieder Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA ins Land zu lassen.

Voraussetzung für diesen Deal ist aber aus nordkoreanischer Sicht, dass die in Macao eingefrorenen Gelder in Höhe von 25 Millionen Dollar freigegeben werden. Und zwar nicht irgendwann, sondern – wie ausgehandelt - noch bevor man sich wieder zusammen setzt. Weil dies nicht geschehen ist, ließ Pjöngjang letzte Woche auch den Chef der Atombehörde Mohammed El Baradei bei dessen Nordkorea-Besuch abblitzen.

Pjönjang sind alle Mittel recht

Natürlich darf man die nordkoreanischen Zusagen anzweifeln. Und

natürlich darf man fragen, ob sich die Internationale Gemeinschaft

das Entgegenkommen Pjöngjangs nicht zu teuer erkauft hat, nur um die Verhandlungen wieder an den Punkt zu bringen, an dem man vor Jahren schon war. Ob es richtig ist, dieses atomare Zündeln mit

umfangreichen Wirtschafts- und Energiehilfen zu belohnen. Mag sein, dass man so ein anachronistisches Regime künstlich am Leben erhält. Aber welche Alternative gibt es?

Das Regime steht mit dem Rücken zur Wand. Der herrschenden Riege geht es einzig und allein um den eigenen Machterhalt und nicht um die hungerleidende, unterdrückte Bevölkerung. Und deshalb sind Pjöngjang auch alle Mittel recht.

Gefährliche Retourkutsche

Die USA haben dies offenbar akzeptiert und haben deshalb die

eingefrorenen Gelder zähneknirschend freigegeben. Aber jetzt macht China - ausgerechnet die letzte verbliebene Schutzmacht Nordkoreas - einen Strich durch die Rechnung: Die Bank of China verweigerte den Geldtransfer, weil sie angeblich nichts mit diesen Finanzmitteln zu tun haben will. Schließlich stammen diese Gelder vorwiegend aus Waffengeschäften und aus der Falschgeld-Produktion.

Das aber ist eine vordergründige und gefährliche Retourkutsche für die nordkoreanischen Kapriolen. Schließlich wussten alle Verhandlungspartner, woher das Geld stammt. Und dass das stalinistische Regime zwingend auf diese dubiosen Einnahmen angewiesen ist. Kein Wunder also, dass Pjöngjang die Sechs-Parteien-Gespräche platzen ließ.

Misstrauen provoziert nukleare Drohgebärden

Das ist genau so konsequent wie ärgerlich. Wenn man mit diesem in die Ecke getriebenen Regime schon Geschäfte macht, sollte man sich auch an die Absprachen halten. Sonst darf niemand ernsthaft darauf hoffen, dass sich Pjöngjang an irgendwelche Abkommen hält.

Das aber ist zwingend notwendig, denn immerhin weiß Nordkorea seine atomaren Trümpfe gut auszuspielen. Und es hat keine Skrupel, seine Verhandlungsposition mit nuklearen Drohgebärden zu verbessern. Zuviel Vertrauen ist häufig eine Dummheit, aber zuviel Misstrauen ist immer ein Unglück.

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