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Fußball

Kommentar: Reaktion des FC Bayern ist überfällig

Der Steuer-Prozess gegen Uli Hoeneß sorgt Tag für Tag nicht nur in Deutschland, sondern weltweit für Schlagzeilen. Der FC Bayern macht in der Affäre keine gute Figur, findet DW-Sportredakteur Stefan Nestler.

DW-Sportredakteur Stefan Nestler. Foto: DW

Stefan Nestler, DW-Sportredakteur

Um eines vorneweg klarzustellen: Niemand sollte Uli Hoeneß schon jetzt verurteilen. Das ist Aufgabe des Münchener Landgerichts, vor dem sich der 62-Jährige wegen Steuerhinterziehung verantworten muss. Der Prozess gegen Hoeneß hat allerdings seit dem Beginn am Montag eine Dynamik entfaltet, die selbst Experten wohl kaum für möglich gehalten hätten.

Zunächst gesteht der Angeklagte selbst, er habe 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen, mehr als fünfmal so viel, wie es in der Anklageschrift steht. Am Tag darauf schraubt die Staatsanwaltschaft diese Summe auf mindestens 27,2 Millionen Euro hoch. Es übersteigt das Vorstellungsvermögen eines Normalverdieners, mit welchen Beträgen eine Privatperson hantieren muss, um eine solche Steuerschuld anzuhäufen.

Mit Schal auf der Tribüne

Am Abend nach dieser neuerlichen Zuspitzung im Gerichtssaal sitzt Uli Hoeneß wieder mit FC-Bayern-Schal neben Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge auf der Tribüne in der Münchner Arena und verfolgt, wie die Mannschaft ins Viertelfinale der Champions League einzieht. Ganz so als wäre nichts gewesen. Warum gibt es in diesem Verein eigentlich niemanden, der mit dem Clubpräsidenten Tacheles redet? Selbstverständlich hat Hoeneß das Recht auf Privatleben. Wahrscheinlich hat es ihm auch geholfen, in der jetzigen Ausnahmesituation wieder ein bisschen Fußballluft zu schnuppern. Aber Hoeneß sitzt eben nicht nur als Privatmann auf der Tribüne, sondern auch als Vereinspräsident. Und hier liegt das Problem.

Rekordverdächtiger Steuerhinterzieher

Der FC Bayern München sieht sich als eine große Nummer im Weltfußball und ist es auch. Im letzten Jahr haben die Bayern alle wichtigen Titel abgeräumt, die es zu gewinnen gab. Mit einem Umsatzrekord von 431,2 Millionen Euro hat es der Verein auch als Fußball-Wirtschaftsunternehmen unter die Top drei in der Welt geschafft. Es kann doch nicht sein, dass sich dieser Rekord-Verein immer noch einen Präsidenten leistet, der nicht nur in Deutschland, sondern auch international für Negativ-Schlagzeilen als rekordverdächtiger Steuerhinterzieher sorgt.

Als Präsident nicht mehr tragbar

Der FC Bayern steckt in dem Dilemma, dass der Verein Uli Hoeneß so viel zu verdanken hat. Nicht umsonst wurde lange vom FC Hoeneß gesprochen. Als Manager hat der Weltmeister von 1974 den Verein zu einer Marke geformt, zu einer Topadresse im Weltfußball, zu einem modernen Wirtschaftskonzern. Ein solcher muss aber auch in der Lage sein, eine Führungsperson auszutauschen, wenn sie nicht mehr haltbar ist. Und jemand, der Steuern in zweistelliger Millionenhöhe hinterzogen hat, ist als Präsident nicht mehr tragbar - Krokodilstränen hin oder her. Der FC Bayern und seine Sponsoren im Hintergrund hätten längst reagieren müssen. Schweigen und Aussitzen löst keine Probleme.

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