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Kommentar: Rauf mit dem Ölpreis!

Ist die Trendwende beim Rohölpreis erreicht? Immer mehr Anleger spekulieren auf eine Kürzung der Fördermengen und steigende Preise. Bis zu einem gewissen Grad ist das sogar gut, findet Rolf Wenkel.

Seit Mitte Januar haben sich die Preise für Rohöl an den internationalen Börsen deutlich erholt. War ein Fass der Nordsee-Referenzsorte Brent vor knapp drei Wochen für weniger als 29 US-Dollar zu haben, so marschiert der Preis gegenwärtig stramm auf 35 US-Dollar zu – ein Plus von gut 20 Prozent. Anleger setzen darauf, dass eine Vereinbarung von Saudi-Arabien und Russland, die Rohölförderung auf dem Januar-Niveau einzufrieren, greifen wird.

Neben Saudi-Arabien und Russland haben Katar und Venezuela dem Abkommen von Doha zugestimmt. Es greift aber nur, wenn auch andere große Öl-Länder mitmachen. Nach dem Ende der westlichen Sanktionen meldet sich nun auch der Iran, der Erzfeind Saudi-Arabiens in der Region, gerade zurück auf dem Ölmarkt. Ursprünglich hatte Teheran angekündigt, die tägliche Ölfördermenge von 2,8 Millionen auf 3,3 Millionen Barrel zu erhöhen. Nun heißt es überraschend aus Teheran, man begrüße die russisch-saudische Initiative.

Trendwende?

Ist das die Trendwende beim Ölpreis? Und wenn ja, wem nutzt das und wem schadet das? Der massive Ölpreisverfall in den vergangenen eineinhalb Jahren hat zwar die Verbraucher in massive Kauflaune versetzt und energieintensive Branchen entlastet - ein kleines Konjunkturprogramm sozusagen - hat aber auch seine Schattenseiten. Denn neben Russland und Saudi-Arabien sind die USA zu einem der führenden Ölproduzenten der Welt aufgestiegen - dank der umstrittenen Fracking-Technik zum Herauspressen von Öl aus porösem Gestein.

Doch während die Saudis auch beim aktuellen Preis von rund 35 Dollar je Fass noch über die Runden kommen, müssen viele Produzenten von Frackingöl weitaus mehr kassiern, um profitabel zu bleiben. Die Folge: Die Branche setzt den Rotstift an, entlässt Mitarbeiter, kürzt Investitionen - und Banken, die der Branche Milliardenkredite gegeben haben, kommen in Schwierigkeiten.

Saudi-Arabien hat bislang versucht, die amerikanische Fracking-Fraktion mit einer wahren Rohölschwemme auszutrocknen. Doch ob diese Strategie aufgeht, ist mehr als fraglich. Denn erstens hat das auch in Saudi-Arabien zu gigantischen Einnahmeausfällen und zu einem Staatsdefizit von knapp 100 Milliarden Dollar geführt, und zweitens kann auch Saudi-Arabien das Rad nicht mehr zurückdrehen: Die Fracking-Infrastruktur ist in den USA vorhanden, und sie wird wieder angeworfen, sobald die Förderländer mit Produktionskürzungen den Preistrend beim Rohöl umdrehen.

Schon einmal gescheitert

Schon einmal hat Saudi-Arabien versucht, mit einer Ölschwemme Konkurrenten vom Markt zu fegen: Mitte der 80er Jahre drückten die Saudis den Ölpreis um 60 Prozent, weil sie die Nordseeproduzenten mit ihren vergleichsweise teuren Bohrinseln aushungern wollten. Das Ergebnis ist heute noch unverändert in der Nordsee zu besichtigen, und die Nordsee-Sorte Brent hat es sogar zur Referenz an den internationalen Rohölmärkten gebracht.

Sollte Saudi-Arabien seine zweifelhafte Strategie überdenken, wird wohl ein Einfrieren der Fördermengen kaum ausreichen, um den Ölpreis nennenswert nach oben zu heben. Die Saudis müssten schon die eigene Förderquote merklich senken, bis sich der Ölpreis normalisiert - Venezuelas Regierung träumt von 70 Dollar pro Barrel als fairen und angemessenen Preis.

Der würde vermutlich auch von den Ölimportländern akzeptiert werden. Denn auch dort hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass billiges Öl zwar auf den ersten Blick wie ein Konjunkturprogramm wirkt, aber, wie gesagt, auch seine Schattenseiten haben kann - und das nicht nur für Schwellenländer, die zum Teil auf die Öleinnahmen dringend angewiesen sind.

Die Umwelt leidet

Auch die Umwelt zählt zu den Verlierern bei einem anhaltendniedrigen Ölpreis. Als ein Fass Rohöl 110 Dollar kostete, standen in den USA die spritschluckenden SUV's auf Halde - heute gehen sie weg wie warme Semmeln. Und je länger der Ölpreis auf niedrigem Niveau bleibt, desto weniger lohnen sich die Bemühungen, Alternativen zu erforschen, sparsamer mit diesem endlichen Rohstoff umzugehen, Häuser zu dämmen, effizientere Produktionsverfahren zu ersinnen, erneuerbare Energieträger zu fördern.

Fazit: Die Preise müssen rauf, schon allein, um uns wieder bewusst zu machen, dass dieser Lebenssaft endlich ist und wir noch immer viel zu abhängig vom Öl sind - wie ein Junkie von der Nadel.

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