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Europa

Kommentar: Putins Verbote schaden Russland

Wie zu Sowjetzeiten droht den Russen wieder ein Verzicht auf beliebte Westprodukte. Der Kreml will die EU und andere Länder bestrafen. Aber vor allem die einheimischen Konsumenten werden leiden, meint Bernd Johann.

Zwischen Russland und dem Westen dreht sich die Sanktionsspirale. Wladimir Putin reagiert auf Wirtschaftssanktionen, die die Europäische Union und andere Staaten vor einer Woche gegen Moskau verhängt hatten. Russland verbietet nun im Gegenzug die Einfuhr von Agrarprodukten aus allen Ländern, die die EU-Beschlüsse mittragen und vertieft damit den Graben zwischen beiden Seiten.

Die Sanktionspolitik ist für beide Seiten schädlich. Deshalb hat sich die EU mit ihrer Sanktionsentscheidung auch so schwer getan. Lange hatte sie darauf gehofft, die Führung in Moskau werde in einen Dialog zur Lösung des Konflikts in der Ostukraine eintreten und sich für eine Deeskalation einsetzen. Doch Russland unterstützt weiter die bewaffneten Gruppen in der Ukraine. Selbst der wahrscheinliche Abschuss eines Passagierflugzeugs und der damit verbundene tragische Tod von 298 unschuldigen Menschen brachte keinen Wendepunkt in der russischen Politik.

Strafen treffen auch die Verbraucher

Bernd Johann, Europaabteilung der Deutschen Welle (Foto: DW)

Bernd Johann, Europaabteilung der Deutschen Welle

Der EU und weiteren Ländern blieb keine andere Wahl: Westliche Beschränkungen beim Technologietransfer und im Finanzhandel richten sich gezielt gegen russische Unternehmen, die eng mit dem Kreml verbunden sind. Putins Revanche dagegen ist ein Rundumschlag. Seine Verbote gegen den Westen treffen viele private Unternehmer, die nichts mit dem Konflikt zu tun haben. Der Agrar- und Lebensmittelhandel wird massiv leiden, wenn die Sanktionen umgesetzt werden.

Insbesondere aber werden die Sanktionen die russischen Verbraucher treffen. Das Warenangebot in den Supermärkten wird kleiner werden. Die Konsumenten werden tiefer in die Tasche greifen müssen, wenn sie Lebensmittel einkaufen. Denn allein kann Russland seinen Bedarf nicht decken. Preissteigerungen und Warendefizite sind die Folge.

Angeblich sollen die Importverbote auch die russische Wirtschaft stimulieren, heißt es im Kreml trotzig. Manche in der russischen Führung scheuen dabei sogar nicht den Vergleich mit den Zeiten der Sowjetunion. Auch damals habe sich Russland selbst versorgt, heißt es.

Russland isoliert sich selbst

Doch das hat in der Sowjetzeit gerade nicht funktioniert. Die Menschen in Russland dürften sich noch daran erinnern, was es alles nicht gab oder wie teuer Produkte aus anderen Ländern waren. Auch daran ist schließlich die Sowjetunion zerbrochen, weil die Menschen immer unzufriedener mit der Mangelwirtschaft waren. Jetzt begibt sich Russland erneut in eine Isolation, in dem es sich vom Handel mit Europa und anderen Ländern abschneidet.

Schon jetzt stagniert praktisch die Wirtschaft in Russland. Die Sanktionen werden die Probleme verschärfen. Die Importverbote könnten schnell an der Ladentheke für die russischen Konsumenten sichtbar werden. Ob alternative Lieferanten - zum Beispiel aus Lateinamerika - die Lücke füllen können, wie sich das der Kreml wünscht, wird sich zeigen. Deren Waren müssen in jedem Fall weite Wege zurücklegen. Auch das könnte die Preise für die Verbraucher nach oben treiben.

Immer mehr Einschränkungen für die Russen

Putins Verbote schränken die Bürger immer mehr ein. Beim Thema Urlaub ist das schon so. Die Buchungen für Reisen ins westliche Ausland sind in diesem Sommer drastisch zurückgegangen, teils weil Putin den Staatsbediensteten das Reisen untersagt hat, vor allem aber, weil die wirtschaftliche Lage vieler Russen schlechter geworden ist.

Nun werden viele Russen auch zu Hause auf französischen Käse, spanische Oliven, und deutsche Schokolade verzichten müssen. Vielleicht wird es nicht so schlimm kommen wie zu Sowjetzeiten. Aber Europa rückt für die Russen wieder in die Ferne, weil Putin es so will. Schade!