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Politik

Kommentar: Propagandasieg für Ahmadinedschad

Das Tauziehen um die britischen Marinesoldaten ist beendet. Dass dies so lange gedauert hat, ist Ausdruck einer angespannten Situation, meint Peter Philipp in seinem Kommentar.

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Fernschreiber Autorenfoto, Peter Philipp

In der Logik des iranischen Staatspräsidenten hat das alles seine Ordnung: Die 15 britischen Marinesoldaten haben zugegeben, in iranisches Hoheitsgebiet eingedrungen zu sein und deswegen habe man sie eigentlich vor Gericht stellen und verurteilen können. Wenn man sie nun freilasse, dann sei dies eine Geste des guten Willens anlässlich des Osterfestes und des Geburtstages des Propheten Mohammed. Mit Logik hat jedoch kaum etwas bei dieser Affäre zu tun: Sie ist eher Ausdruck der gespannten Situation, die im Iran und um den Iran herum herrscht. Und das nicht erst seit gestern.

Kein zufälliges Timing

So war es doch sicher kein Zufall, dass die 15 Briten gefangen genommen wurden, als der UN-Sicherheitsrat sich anschickte, Sanktionen gegen den Iran zu verschärfen, um Teheran von seiner Atompolitik abzubringen. Und so ist es sicher auch kein Zufall, dass gerade jetzt Bewegung in die Affäre um mehrere im Irak festgenommene Iraner kommt: Ein entführter Diplomat wurde freigelassen und von den Amerikanern gefangene iranische Berater können nach Wochen zum ersten Mal von iranischen Diplomaten besucht werden.

Selbst wenn Teheran die Festnahme der Briten weder mit dem Atomstreit noch mit den inhaftierten Beratern in Verbindung brachte: Es scheint sich doch um ein "Paket" zu handeln. Auch dann würde der Vorfall den Tatbestand der Entführung und Geiselnahme erfüllen. Wenn die Lage vor Ort nicht so undurchsichtig wäre, wie sie ist: Der genaue Verlauf der Grenze zwischen Iran und Irak steht gar nicht eindeutig fest. Der Streit darüber war in der Vergangenheit schon Kriegsgrund und es nützt wenig, sich gegenseitig Satellitendaten vorzuhalten, um zu beweisen, dass man Recht hat.

Emotion und Stolz

Auf beiden Seiten war von Anfang an zu viel Emotion und auch Stolz im Spiel, als dass man bereit gewesen wäre, die Sache in aller Ruhe und vernünftig zu klären. Stattdessen fror London die Beziehungen ein und bestand darauf, dass ihm nichts vorzuwerfen sei. Teheran drohte mit einem Schauprozess und es ließ vor der britischen Botschaft demonstrieren. Die Bilder wütender Demonstranten, die dabei die Hinrichtung der Briten forderten, haben dem Iran sicher keine Sympathien eingebracht, sondern Vorurteile bedient und verstärkt. So, wie die anfänglichen starken Worte aus London sicher manchen Iraner an die Zeiten der britischen Präsenz im Iran erinnerte, die kein Ruhmesblatt für das Vereinigte Königreich waren.

Bei all dem stand doch auch von Anfang an fest, dass beide Seiten an einer Lösung des Konflikts interessiert sein müssen, denn an einer weiteren - möglicherweise sogar militärischen - Eskalation ist niemandem gelegen. Wahrscheinlich wäre das Problem früher ausgeräumt worden, wenn London einfach erklärt hätte, man sei sich keines Fehlers bewusst. Sollte man aber dennoch die Grenze überquert haben, dann bedaure man dies.

Entweder Teheran hätte akzeptiert und der Fall wäre beendet gewesen oder aber Teheran hätte sich stur gestellt, damit aber die letzten Sympathien im Ausland verloren. So aber gab es zwei Wochen diplomatischen Gerangels und Propagandaschlacht und am Ende kann Präsident Ahmadinedschad sogar noch mit der Freilassung der Briten punkten. Daran ändert nichts, dass zumindest die britischen Medien sein Vorgehen einfach als "Theater" abtun.

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