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Sport

Kommentar: PR-Termine? Nein, Danke!

Das Trainingslager der DFB-Auswahl in Südtirol ist zu Ende. Joachim Löw versprüht Optimismus. Das ist erstaunlich, denn so viele Probleme gab es noch nie, findet DW-Sportreporter Thomas Klein.

Gut gelaunt betrat Bundestrainer Joachim Löw das Pressezelt in Südtirol. "Wir haben sehr, sehr viele Fortschritte gemacht", sagte er. Verletzungssorgen, "Pinkelaffäre", Führerscheinentzug und ein tragischer Unfall - die Liste an Problemen, welche das Trainingslager der DFB-Auswahl begleitet haben, könnte kaum länger sein. Trotzdem zieht Löw ein positives Fazit nach chaotischen Tagen. Ganz falsch liegt er mit seiner Einschätzung trotzdem nicht, denn immerhin hat das Knie von Sami Khedira gehalten, Philipp Lahm kann wieder mehr oder weniger gut laufen und Manuel Neuer wurde schon wieder ohne Armbandage gesichtet - alles super also! Blöd nur, dass die Weltmeisterschaft in knapp drei Wochen beginnt und Löw stets betont hatte, nur mit "absolut gesunden" Spielern nach Brasilien reisen zu wollen. Jetzt ist das Ärzteteam des DFB mehr denn je gefordert, alle Spieler bis zum Turnierstart fit zu bekommen.

Wieso PR-Termine?

Als wären die sportlichen Probleme nicht schon groß genug, mussten die Nationalspieler auch noch an wahnsinnig wichtigen PR-Terminen teilnehmen. In diesem Fall stand eine Spazierfahrt durch das beschauliche Passeiertal mit Formel-1-Fahrer Nico Rosberg und DTM-Pilot Pascal Wehrlein - beide in Diensten von Mercedes - auf dem Programm. Klar, bisher ist nie etwas passiert - dieses Mal aber leider schon. Warum finden während eines Trainingslagers vor so einem wichtigen Turnier solche Sponsoren-Termine statt? Geht es bitte noch ein bisschen sinnloser? Manchmal sollte man sich auf seine Hauptaufgaben beschränken, in diesem Fall: das Fußballspielen. Zeit für schnelle Autos haben die Spieler nach der WM-Enderunde noch mehr als genug.

Bloß keine Streitereien

Vielleicht sind es aber genau solche Vorfälle gewesen, die das Team näher zusammenrücken haben lassen, denn Löw hat einen "hervorragenden Teamgeist" festgestellt. Besser sogar als bei der EM 2012! Das ist auch gut so, denn schließlich wollen wir Weltmeister werden. Sogar zwischen den konkurrierenden Vereinsspielern des FC Bayern München und Borussia Dortmund gäbe es keine Probleme - alles super also! BVB-Schlussmann Roman Weidenfeller verzichtet sogar auf einen Zweikampf mit FCB-Torwart Manuel Neuer um die Nummer eins im deutschen Tor. Das Motto: Bloß keine Streitereien! Aber fördert ein gesunder Konkurrenzkampf nicht auch die jeweilige Leistung eines Profis?

Löw wird schon wissen, was er tut, schließlich ist er nicht erst seit gestern Bundestrainer. Ob es am Ende aber mit einer harmonieseligen Truppe auch zum Titel reicht, darf bezweifelt werden. Bleibt nur zu hoffen, dass es in Brasilien keine weiteren PR-Termine geben wird!