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Kommentare

Kommentar: Politik ist Handeln, Mr. President!

Die Liste der "mächtigsten Menschen der Welt" des Forbes-Magazines leitet in die Irre. Dennoch: Wladimir Putin vor Angela Merkel? Und Merkel noch vor Obama? Das kann einen schon beunruhigen, meint Michael Knigge.

Nur, um das gleich klarzustellen: Nein, der russische Präsident Wladimir Putin ist nicht der mächtigste Mann der Welt. Sein Land befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise mit galoppierender Inflation. Die Lebenserwartung der Russen ist gering, eine demographische Krise droht. Selbst Russlands vielfach bewundertes Militär rangiert hinsichtlich der Truppengröße nur auf dem vierten Platz im globalen Vergleich. Ihr Waffenarsenal ist der High-Tech-Ausrüstung der USA nicht gewachsen. All diese Indikatoren deuten darauf hin, dass Putins internationaler Einfluss eher sinken müsste.

Und doch führt der russische Präsident zum dritten Mal in Folge die Forbes-Liste an. Warum? Weil er die begrenzte Macht, die er hat, effektiv einsetzt - sei es in der Ukraine oder in Syrien. Und weil er, nicht minder wichtig, ein Meister darin ist, andere von seiner Stärke, von der Stärke Russlands zu überzeugen. Deshalb sollte er eher den Titel des gerissensten und umtriebigsten Staatenlenkers verliehen bekommen.

Deutschland auf der internationalen Bühne

Und Angela Merkel? Wenn es um reale Macht geht, dann kann es die deutsche Bundeskanzlerin sicher nicht mit dem US-Präsidenten aufnehmen. Aber Merkel hat ihre Macht entscheidend auf internationaler Bühne eingesetzt: zuerst in der Ukraine- sowie der Griechenland-Krise und jetzt in der Flüchtlingskrise. Das hat ihr internationale Anerkennung eingebracht, die erklärt, warum sie es auf den zweiten Platz der Forbes-Liste geschafft hat. Dort steht sie nun direkt hinter Putin und zum ersten Mal vor Obama.

Michael Knigge Kommentarbild App

DW-Redakteur Michael Knigge

Ganz ohne Zweifel bleibt der US-Präsident der mächtigste Mann der Welt. Er hat die US-Wirtschaft - die größte der Welt - erfolgreich durch die schwerste Krise seit der "Großen Depression", der Weltwirtschaftskrise von 1929, geführt. Er hat hart gekämpft für eine historische Gesundheitsreform, die Millionen Amerikanern zu einer Krankenversicherung verholfen hat. Und er hat - gegen riesige Widerstände in Washington und weltweit - mit dem Iran eine historische Einigung im Nuklear-Streit erreicht.

Lauwarm und lustlos

Der Deal mit dem ehemaligen Erzfeind in Teheran ist auch das passende Beispiel um zu illustrieren, dass die USA mit ihren Möglichkeiten global etwas erreichen können - wenn sie ein klares Ziel verfolgen. Leider hat Obama jedoch bei vielen Krisen Einsatzfreude und Zielorientierung vermissen lassen - sei es in Syrien oder im Kampf gegen den islamischen Extremismus im Allgemeinen.

Wenn er endlich gehandelt hat, dann meist zu zögerlich. Das reicht nicht für den Führer der freien Welt. Die USA mögen nicht länger das Land sein, das ganz allein über globale Probleme entscheiden kann. Aber klare Worte und Taten aus Washington sind weiterhin unabdingbar, wenn es darum geht, internationale Herausforderungen zu meistern.

In Syrien hat Obamas Passivität ein Vakuum geschaffen, das Putin gefüllt hat. Das hat den USA bereits geschadet - nicht nur dem Eindruck, den man in Russland und China von Washington hat, sondern - und das wiegt schwerer - dem Ansehen bei den eigenen Verbündeten. Die Einigung mit dem Iran hat gezeigt, dass Obama die Macht, die er als US-Präsident besitzt, auch in komplexen weltpolitischen Fragen geschickt einsetzen kann. Genau das sollte er jetzt auch in der Syrien-Krise tun.

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