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Standpunkt

Kommentar: Plaudertasche Trump

Der US-Präsident gibt geheime Informationen weiter und brüstet sich auch noch damit. Das dürfte das Vertrauen in Donald Trump noch mehr erschüttern - auch und erst recht international, meint Miodrag Soric.

Weißes Haus Trump trifft Lawrow (picture-alliance/dpa/AP/Russian Ministry of Foreign Affairs)

US-Präsident Trump im Gespräch mit dem russischen Aussenminister Lawrow am 10.5.2017 in Washington

Seine Berater und sein Stab haben sich vor ihn gestellt und versucht, ihren Chef zu verteidigen: Nein, er habe gegenüber dem russischen Außenminister Lawrow ganz gewiss keine Geheimnisse ausgeplaudert. Und die Darstellung der Washington Post sei schon deswegen falsch, weil das fragliche Thema überhaupt nicht besprochen worden sei.

Und jetzt? Alle als Lügner entlarvt! Denn nun hat sich Donald Trump via Twitter - wo sonst? - selbst erklärt und die Vorwürfe im Kern bestätigt: Ausgerechnet Vertretern der russischen Regierung hat er vertrauliche Informationen gegeben, die ausdrücklich nicht zur Weitergabe in Richtung Russland klassifiziert waren. So setzt man langjährige Geheimdienstkooperationen aufs Spiel.

Misstrauen gegen Trump wird größer

Auch wenn sich Trump nun mit humanitären Motiven zu rechtfertigen sucht - es sei ihm um mehr Sicherheit im Flugverkehr gegangen - schadet die ganze Diskussion dem amerikanischen Präsidenten erheblich: Man wird bei ihm den Verdacht nicht los, verdeckt mit dem Kreml zu kooperieren, zuerst im Wahlkampf und jetzt im Weißen Haus.

Soric Miodrag Kommentarbild App

Für die DW in Washington: Miodrag Soric

Eine Folge wird sein: Trump wird es noch schwerer haben, einen Nachfolger für den vor kurzem geschassten FBI-Direktor James Comey zu finden. Denn Freunde und Gegner im Kongress blicken nun mit noch mehr Misstrauen auf diesen Präsidenten. Und der Senat muss den neuen, noch von Trump zu benennenden FBI-Chef erst noch bestätigen.

Eine weitere Konsequenz dürfte sein: Amerikas Verbündete werden sich künftig zurückhalten mit der Zulieferung von geheimdienstlicher Information an Washington. Wer weiß, was dieser Präsident noch so alles ausplaudert? Die Weitergabe von nachrichtendienstlichen Erkenntnissen kann Amerikas Sicherheit erheblich gefährden. Und es stiftet Misstrauen unter den Verbündeten.

Auch in den USA selbst ist inzwischen eine wachsende Skepsis zu spüren: Der Präsident - ein 70-Jähriger, der sich wie ein Kind verhält; ein Mann, der sich so wenig im Griff hat, dem seine Eitelkeit und Gefallsucht immer wieder zum Verhängnis werden.

Immer größeres Sicherheitsrisiko

Ein Präsident, der vertrauliche Informationen weitergibt an eine gegnerische Regierung - um anzugeben, um sich wichtig zu machen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Der sich dann auch noch mit diesem Vorgehen öffentlich brüstet und damit so ganz nebenbei seinen gesamten Mitarbeiterstab desavouiert. 

Trumps Fehler wecken bei Kongressabgeordneten schlimmste Befürchtungen. Demokraten halten diesen Präsidenten für ein Sicherheitsrisiko. Republikaner widersprechen immer leiser, fragen sich aber auch: Was tun? Ihn aus dem Amt zu klagen, kann lange dauern. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre der Ausgang höchst ungewiss. Also verharren die Republikaner in einer Schockstarre, machen erst mal nichts. Bis zum nächsten Skandal. Lange kann das bei diesem Präsidenten ja nicht dauern.

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