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Wirtschaft

Kommentar: Pischetsrieder geht - die Probleme bleiben

Der VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech hat mit Bernd Pischetsrieder einen neuen Namen auf die Liste seiner Opfer gesetzt. Bei der Bewältigung der Probleme des Konzerns ist Piech eher eine Last als eine Hilfe.

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Karl Zawadzky

Die Geschichte wiederholt sich doch, zumindest für Bernd Pischetsrieder: Mit dem unsanften Abgang vom Vorstandsvorsitz beim Volkswagenkonzern verliert er bereits zum zweiten Mal einen Spitzenjob in der Automobilindustrie. Als Vorstandschef von BMW war ihm der missratene Einstieg beim britischen Hersteller Rover zum Verhängnis geworden; zusammen mit anderen Spitzenmanagern wurde der damalige BMW-Chef Pischetsrieder entlassen, aber zwei Jahre darauf vom damaligen VW-Chef Ferdinand Piech nach Wolfsburg geholt und dort bei Piechs Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrats zum Vorstandsvorsitzenden ernannt.

Ernennen, entlassen, mobben

Der begnadete Autobauer, aber höchst eigenwillige Piech ist nach wie vor der starke Mann bei VW. Und er ist in den letzten Monaten noch stärker geworden. Denn Piech gehört zur steinreichen Porsche-Sippe, die als größter Aktionär bei VW eingestiegen ist. Der Autokrat Piech ernennt, entlässt oder mobbt weg. Die Liste der Opfer ist lang. Nun ist Bernd Pischetsrieder hinzugekommen. Nachfolger als VW-Chef wird Martin Winterkorn, der eine lange Karriere im Konzern absolviert hat und derzeit an der Spitze der Tochtergesellschaft Audi steht. Winterkorn ist ohne Zweifel erste Wahl. Bei der Muttergesellschaft VW hat er sich als Entwicklungschef ebenso einen hervorragenden Ruf erworben wie als Vorstandsvorsitzender der erfolgreichsten Tochtergesellschaft.

Audi verdient derzeit für den VW-Konzern das Geld. Was seine Vorgänger begonnen haben, hat Winterkorn fortgesetzt - nämlich die Neupositionierung der Marke. Audi steht mittlerweile auf Augenhöhe mit Mercedes und BMW an vorderster Stelle im Premiumsegment. Audi gehört zu den Nobelmarken, verbucht einen Rekordgewinn nach dem anderen und hat glänzende Perspektiven. Zwar haben Erfolge in der Autoindustrie einen langen Vorlauf, doch ohne Zweifel hat Winterkorn Anteil am Erfolg der Marke Audi. Zum wirtschaftlichen Erfolg gehört vor allem, dass großer Wert darauf gelegt wird, die Produktionskosten im Griff zu halten.

Große Erwartungen

Die Erwartungen an den künftigen VW-Chef sind groß. Im Kern laufen sie darauf hinaus, den Audi-Erfolg auf die übrigen Marken des Konzerns zu übertragen. Der Absatz einiger VW-Modelle ist hoch - etwa Golf oder Passat - doch die Produktion ist zu teuer. Seat muss aufgefrischt werden, Skoda darf den Anschluss an die Marktentwicklung nicht verlieren. Der Oberklasse-VW Phaeton, einst das Lieblingskind von Piech, ist praktisch unverkäuflich. Die Marke Bentley im absoluten Luxussegment leidet unter zu geringen Stückzahlen; Bugatti ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten eine totale Fehlinvestition.

Der ganze Konzern ist eine große Baustelle. Ganz besonders betrifft das die Werke in Deutschland. Hier werden zwar gute Autos hergestellt, die sich auch weltweit gut verkaufen lassen. Aber die Kosten sind zu hoch. Das hat historische Gründe. Das einstige Staatsunternehmen VW hat in den deutschen Werken etwa 20.000 Mitarbeiter zu viel und zahlt zudem 20 Prozent über Tariflohn. Schon Piech hat dieses Kernproblem von VW ignoriert, Pischetsrieder hat es über Jahre hinweg schleifen lassen. Die Marke VW ist darüber zum Sanierungsfall geworden. Energisches Durchgreifen ist nötig. Der Aufsichtsratsvorsitzende und Großaktionär Ferdinand Piech ist dabei eher eine Last als eine Hilfe.

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