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Wirtschaft

Kommentar: Perspektiven statt Plattitüden

Fünf Tage lang haben sich die Reichen und Mächtigen dieser Welt in Davos versammelt, um auf dem Weltwirtschaftsforum die Welt zu verbessern - so ein Ziel des Gründers Klaus Schwab. Ein Kommentar von Marco Vollmar.

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Marco Vollmar

Marco Vollmar

Davos 2008 stand ganz im Zeichen der Krise an den Aktien- und Finanzmärkten. Und noch nie passte das - wie in jedem Jahr - sehr allgemein gewählte Motto des Gipfeltreffens so gut wie dieses Mal: "The Power of Collaborative Innovation", "Die Kraft gemeinsamer Innovation". Denn in einem waren sich nahezu alle Teilnehmer einig: Wege aus den Krisen dieser Welt sind nur gemeinsam zu beschreiten.

China und Indien zunehmend in der Verantwortung

Beispiel Weltwirtschaft: Löst das Kredit-Debakel in den USA eine weltweite Rezession aus? Hier halten sich Optimisten und Pessimisten die Waage. Amerikaner glauben nach wie vor an die Selbstheilungskräfte ihrer Volkswirtschaft. Europäer sind sich unsicher, ob sie hineingezogen werden. Interessant der Tenor asiatischer Wirtschaftslenker: Sie gehen einhellig davon aus, dass vor allem China und Indien eine zunehmend stärkere Bedeutung und Verantwortung zukommt, die Weltwirtschaft zu stützen und konjunkturelle Schwächen in den USA und Europa auszugleichen.

Zwar gilt nach wie vor der Ausspruch, dass wenn Amerika niest, der Rest der Welt einen Schnupfen bekommt, aber - wenn man so will - die Anzahl der Medikamente ist größer geworden. Die Risiken und Lasten der Weltwirtschaft verteilen sich auf mehr Schultern als früher, das internationale Machtgefüge hat sich verschoben.

Transparenz als Ziel

Beispiel Finanzmärkte: Noch nie sind die Auswirkungen des globalen Handelns, der weltweit vernetzten Geldströme deutlicher zutage getreten. Die versammelte Schar von Spitzen-Bankern und Vertretern der internationalen Institutionen hat sich gemeinsam darauf verständigt, die Risiko-Vorsorge des Bankengeschäfts zu stärken und die Transparenz zu verbessern. Natürlich wurden keine offiziellen Vereinbarungen vertraglich unterzeichnet, aber das ist auch nicht die Aufgabe des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Beispiel Welthandel: Hier haben sich am Samstag (26.01.2008) die anwesenden Handelsminister der USA, Europas und anderer Länder in einer informellen Runde darauf geeinigt, die weltweit derzeit auf Eis liegenden Gespräche zur Liberalisierung des Welthandels wieder anzustoßen. Auch hier gilt das Prinzip - nur gemeinsam sind wir stark, trotz aller unterschiedlichen Interessen.

Weniger Plattitüden

Was bleibt unter dem Strich? Es war ein gutes Treffen, weil konkrete Probleme angepackt wurden. Die Plattitüden sind weniger geworden. Der ernsthafte Wille, etwas verändern zu wollen, ist den rund 2500 Teilnehmern nicht abzusprechen. Wie in jedem Jahr hat es der Gründer und Chef des Davoser Gipfeltreffens Klaus Schwab geschafft, hochkarätige Gäste in den Schweizer Skiort zu locken und Themen anzustoßen, die die Welt betreffen.

Der Glamourfaktor kam in diesem Jahr ein bisschen zu kurz, einzig Emma Thompson und Naomi Campbell sorgten für ein wenig Glanz. Aber der war angesichts der krisenhaften Umstände auch nicht wirklich angebracht.

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