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Fußball

Kommentar: Perfekt inszenierte Wiederauferstehung

In einer emotionalen Rede kündigt Uli Hoeneß seine Rückkehr an und sorgt für Euphorie beim FC Bayern. Das war bestes bayerisches Volkstheater, findet DW-Sportredakteur Andreas Sten-Ziemons.

Uli Hoeneß weiß, wie man die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Schon oft hat der ehemalige Bayern-Präsident diese Eigenschaft genutzt, wenn es galt, den Fokus der Öffentlichkeit und der Medien in Krisenzeiten von der Mannschaft des FC Bayern abzulenken. Etwas anders verhielt sich die Sache bei seinem fulminanten Auftritt bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des FC Bayern, bei der eigentlich die Inthronisierung des neuen Präsidenten Karl Hopfner die Hauptsache des Abends werden sollte.

Doch dieser Plan war spätestens in der Sekunde, in der Uli Hoeneß ans Podium trat, dahin. Mit seiner Ankündigung, nach verbüßter Haft wieder zum FC Bayern zurückzukehren, stahl Hoeneß Hopfner die Show und ließ dessen Wahl, die wie erwartet mit großer Mehrheit über die Bühne ging, zur Nebensache werden.

Uli Hoeneß mag für einige Zeit von der Bildfläche und von seinem Tribünenplatz in der Münchener Arena verschwinden, trotzdem bleibt er der starke Mann beim FC Bayern München. Karl Hopfner, seit 31 Jahren an der Seite und im Schatten von Uli Hoeneß für den FC Bayern tätig, kommt nicht mehr als die Rolle eines Platzhalters zu.

Uli Hoeneß bei der Mitgliederversammlung des FC Bayern München am 2.5.2014 (Foto: Sven Hoppe/dpa)

"Danke Uli!" - die Bayern-Mitglieder feiern ihren Ex-Präsidenten, der sich das nur zu gerne gefallen lässt

Um die sportliche Zukunft des FC Bayern muss man sich nun auch keine Sorgen mehr machen, wenn das denn überhaupt jemals nötig gewesen wäre. Anders als befürchtet hinterlässt Bayern-Macher Hoeneß kein Vakuum, sondern hat es schon jetzt geschafft, mit seiner versprochenen Rückkehr Vorfreude und Euphorie bei den Mitgliedern des FC Bayern auszulösen.

Wiederauferstehung in mehreren Akten

Allerdings können nur naive Menschen davon ausgehen, dass dieser Schritt nicht schon seit Wochen geplant war - genau wie die vorherigen Akte im Theaterstück "Die Wiederauferstehung des Uli H.". Zunächst hat Hoeneß die Dauer seiner Haft durch die Anerkennung seiner Strafe wohl auf dreieinhalb Jahre begrenzt – wären er oder die Staatsanwaltschaft in Revision gegangen, hätte es möglicherweise eine deutlich längere Haftstrafe geben können. Zum zweiten hat Hoeneß, dadurch, dass er ins Gefängnis geht und es keinen zweiten Prozess geben wird, verhindert, dass im Zuge der Steuerermittlungen möglicherweise auch die Finanzen des FC Bayern auf links gedreht werden und auch der Klub in Mitleidenschaft gezogen würde.

Uli Hoeneß nach seiner Rede bei der Mitgliederversammlung des FC Bayern München am 2.5.2014 (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Raus mit Applaus, Hoeneß nach seinem großen Auftritt

Nun also folgt der dritte Akt: Hoeneß kündigt seine Rückkehr an und man darf davon ausgehen, dass Karl Hopfner, wenn Hoeneß bei guter Führung deutlich vor Ende der dreieinhalb Jahre wieder "zur Verfügung steht", nur zu gerne zurück ins zweite Glied rückt, wo er sich seit über drei Jahrzehnten ohnehin viel wohler fühlt, als in vorderer Position und seinem Vorgänger Platz macht.

Bravo FC Bayern, bravo Uli Hoeneß! Zugabe! Das war eine perfekte Inszenierung der Wiederauferstehung des Uli H.! Der FC Bayern bleibt der FC Bayern, mia san mia und nach der Ära Hoeneß ist vor der Ära Hoeneß.

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