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Kultur

Kommentar: Papst bleibt auf Versöhnungskurs zum Judentum

Franziskus empfing Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz. Damit setzt er erneut ein Zeichen gegen Antisemitismus und bleibt seiner Linie und der seiner Vorgänger-Päpste treu, meint DW-Redakteur Klaus Krämer.

Für den Papst war dies kein Pflichttermin. Franziskus ist es ernst mit der Verdammung des millionenfachen Mordes an den europäischen Juden. Eine Herzensangelegenheit ist ihm ddeshalb die Begegnung mit denen, die diese Hölle überlebt haben. Rund sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens waren von den deutschen Nationalsozialisten und ihren Helfern zuerst verfolgt, beraubt, dann wie Vieh abtransportiert und schließlich fabrikmäßig in Konzentrationslagern ermordet worden.

Die Begegnung am 7. Januar mit den sechs Auschwitz-Überlebenden aus Deutschland, Polen, Frankreich und der Tschechischen Republik, allesamt Mitglieder einer Delegation des Internationalen Auschwitz-Komitees,ist zudem die sinnvolle und logische Fortsetzung dessen, was Franziskus zuletzt bei seinem Israel-Besuch getan hatte. Bereits im Mai 2014 traf er sechs Holocaustüberlebende in der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vaschem. Dort, wo der Staat Israel seiner jüdischen Opfer der Schoah gedenkt, verneigte sich Franziskus vor jedem Einzelnen. Er küsste die Hände derer, die das Grauen am eigenen Leib erlitten hatten.

Im Mai war das Zusammentreffen in ein enges Termin-Korsett gepresst worden. Das katholische Kirchenoberhaupt fand in Yad Vaschem lediglich Zeit für ein Gebet und eine Meditation. Zu einem längeren Gespräch mit den Opfern der Schoah kam es damals nicht. Allerdings hatte Franziskus bereits bei seiner Ankunft in Israel mit deutlichen Worten jegliche Judenfeindlichkeit verurteilt.

Klaus Krämer, DW-Fachredakteur für Religion

Klaus Krämer, Fachredakteur für Religion

Triftige Gründe

Diesmal hatte der Papst nicht mehr Zeit. Dennoch es gibt triftige Gründe für ein Treffen mit Überlebenden. In drei Wochen, am 27. Januar, jährt sich zum 70. Mal die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Die Vereinten Nationen rufen an diesem Tag zum Gedenken an die Opfer des Holocaust auf. Franziskus machte gewissermaßen den Auftakt zur Erinnerung. Öffentliche Aufmerksamkeit ist ihm sicher. Auch ihm ist klar, dass die Überlebenden, nur noch begrenzte Zeit Zeugnis davon ablegen können.

Keine Frage: Papst Franziskus hat mit diesem Treffen am Rande, einen weiteren Akzent der Versöhnung gesetzt. Dem war schon im September eine 100.000-Euro-Spende an die Auschwitz-Stiftung vorausgegangen. Die ist für die Finanzierung des Museums und den Erhalt der Gedenkstätte in Polen verantwortlich. Dafür bedankte sich die Delegation in Rom mit der "Statue der Erinnerung", mit der sie den Einsatz für Menschenrechte und gegen Antisemitismus und Fremdenhass ehrt.

Franziskus hat sie verdient, denn er handelte bisher geistiger Kontinuität seiner drei Vorgänger. Unvergessen das Schuldbekenntnis von Papst Johannes Paul II. in Yad Vashem bei seinem Israelbesuch im Jahr 2000. Der in der Nähe von Auschwitz geborene Karol Wojtyla war als Zeitzeuge nah dran am Massenmord durch die Unmenschen.

Der Papst aus Argentinien dagegen ist der erste, der den Terror des "Dritten Reiches" nicht aus europäischer Nahsicht und nicht als Erwachsener erlebte. Damals war Jorge Mario Bergoglio erst acht Jahre alt. Gleichwohl versteht er es unmissverständlich Unrecht zu benennen und zu verdammen. Auf diese Weise hält er zudem das katholisch-jüdischen Verhältnis auf einem guten Niveau.

Das ist auch wichtig, denn ohne Makel ist das Verhalten mancher Katholiken im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus nicht. Immerhin war ein österreichischer Bischof in Rom dabei behilflich, dass der SS-Cheforganisator für die Vertreibung und Deportation der Juden, Adolf Eichmann oder der KZ-Arzt Josef Mengele mit den nötigen Papieren zur Flucht ausgestattet wurden. Zudem ist der Vorwurf des angeblichen Schweigens von Pius XII. (Papst von 1939 bis 1958) zum Holocaust längst nicht aus der Welt.