Kommentar: Olympia wird die Welt nicht retten | Sport | DW | 08.02.2018
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Olympische Winterspiele

Kommentar: Olympia wird die Welt nicht retten

Die Winterspiele in Pyeongchang sollen für Tauwetter zwischen Nord- und Südkorea sorgen. Wieder einmal wird der Sport überfrachtet, meint DW-Sportredakteur Stefan Nestler. Die Latte sollte nicht zu hoch gelegt werden.

"O Sport, du bist der Friede!", heißt es in der Ode an den Sport. "Du schlingst ein Band um Völker, die sich als Brüder fühlen, in gemeinsamer Pflege der Kraft, der Ordnung und der Selbstbeherrschung." Unter einem Pseudonym reichte der Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, Pierre de Coubertin, sein Gedicht bei den Kunstwettbewerben der Sommerspiele 1912 in Stockholm ein und gewann die Goldmedaille in der Kategorie Literatur. Coubertins Gedanke der Völkerverbindung durch Sport findet sich auch in der Olympischen Charta wieder. Dort wird das Internationale Olympische Komitee (IOC) verpflichtet, "den Sport in den Dienst der Menschheit zu stellen und dadurch den Frieden zu fördern". Die Latte liegt also hoch für den Sport. Zu hoch. 

Kleine Brücke

"Hoffentlich öffnen diese Winterspiele die Tür zu einer besseren Zukunft auf der koreanischen Halbinsel", sagte IOC-Präsident Thomas Bach mit Blick auf die Spiele von Pyeongchang. "Die Olympischen Spiele haben einen Neubeginn ermöglicht." Der Fecht-Olympiasieger von 1976 bezog sich auf den nachträglich möglich gemachten Start 22 nordkoreanischer Sportler, den gemeinsamen Einzug nord- und südkoreanischer Athleten bei der Eröffnungsfeier sowie das gesamtkoreanische Frauen-Eishockeyteam, das in Pyeongchang spielen wird. In der Tat hat der Sport in diesem Fall eine kleine Brücke gebaut. Mehr aber nicht. Das Pulverfass des Korea-Konflikts ist damit noch lange nicht entschärft. Ein Tweet des US-Präsidenten Donald Trump, eine Provokation des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, und das zarte Pflänzchen der Entspannung liegt wieder zertreten im Staub.

Nur bedingt als Friedensmodell tauglich

Nestler Stefan Kommentarbild App

Stefan Nestler, DW Sport

Einerseits bietet der Sport eine universelle Sprache an, die über Landes- und Kulturgrenzen hinweg gesprochen und verstanden wird. Damit hat er auch das Potential zu vermitteln. Andererseits taugt er nur bedingt als Friedensmodell. Im Sport wird schließlich häufig Nationalismus offen gepflegt. Dabei ist vielen - siehe Doping in Russland, aber keineswegs nur dort - jedes Mittel recht, um möglichst großen Erfolg zu garantieren. In dessen Glanz lässt es sich bekanntlich gut sonnen. Sport hat sogar schon zu bewaffneten Konflikten geführt, wie dem "Fußballkrieg" 1969 zwischen Honduras und El Salvador. Bei WM-Qualifikationsspielen beider Nationen hatte es zuvor Ausschreitungen gegeben, bei denen Menschen getötet worden waren. Es war nicht die Ursache, aber der Auslöser des militärischen Konflikts, der etwa 100 Stunden dauerte und mehr als 2.000 Menschen das Leben kostete.

Ein bisschen Frieden

Der Sport sollte nicht überfrachtet werden. Die Winterspiele in Pyeongchang werden die Welt nicht retten. Wenn es gut läuft, bieten sie spannende und hoffentlich auch faire Wettbewerbe und sorgen für den einen oder anderen anrührenden Moment. Damit wäre schon viel gewonnen. Vielleicht sogar ein kleines bisschen Frieden. Das wäre doch schon ein Erfolg.

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