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Kommentare

Kommentar: Oje VW!

Die Einschläge bei VW werden häufiger. Immer neue Unregelmäßigkeiten kommen ans Licht. Es braucht aber mehr als nur Worte der Entschlossenheit aus der Chefetage. Es muss schnell alles auf Tisch, meint Henrik Böhme.

Was kommt da noch alles? Natürlich war davon auszugehen, dass den ersten Enthüllungen im Abgasskandal bei Europas größtem Autobauer noch weitere Unannehmlichkeiten folgen würden. Jetzt kommt es knüppeldick und dazu von allen Seiten. Zum einen aus den USA, wo die Umweltbehörden immer weitere Unregelmäßigkeiten zu finden glauben. Zum anderen fördern die internen Ermittlungen der hauseigenen Revision und der hinzugezogenen externen Berater und Anwälte immer mehr Einzelheiten zu Tage. Zu allem Überfluss hat nun auch die US-Verkehrsaufsicht die Wolfsburger ins Visier genommen, weil VW wohl Unfalldaten nicht vorschriftsgemäß übermittelt hat.

Boehme Henrik Kommentarbild App

Henrik Böhme, DW-Wirtschaftsredaktion

All das ergibt ein hochexplosives Gemisch. Das wird dem neuen Chef Matthias Müller nicht auf einmal um die Ohren fliegen, aber es ist ja schon mühsam genug, den Konzern durch ein derart vermintes Gelände wieder irgendwie in bessere Zeiten zu führen. Zumal nicht wirklich sicher ist, ob die jetzt handelnden Personen wirklich frei von jeder Schuld sind. Ja, Müller war zuvor Chef von Porsche und ziemlich weit weg von den Machenschaften der VW-Trickser. Aber doch nah genug dran, um nicht doch irgendwas gewusst zu haben? Genauso wie Hans Dieter Pötsch, der einstige Kassenwart des Konzerns, der viele Jahre im Zentrum der Macht operierte. Er ist seit ein paar Wochen Oberaufseher - und somit eigentlich auch Chef-Aufklärer. Was hat man von ihm gehört in den vergangenen Wochen? Eher nichts und wenn, dann solch schaurige Sätze wie in der gestrigen Stellungnahme des Aufsichtsrates nach Bekanntwerden der neuen Unregelmäßigkeiten. Der neue Sachverhalt müsse für den Aufsichtsrat Ansporn sein, heißt es da, alles Erdenkliche dafür zu tun…Blablabla. Es reicht!

Ist klar, was auf dem Spiel steht?

Entweder haben sie in Wolfsburg noch nicht kapiert, dass hier eine Bombe tickt. Oder sie wissen es, wollen aber Panik in der Belegschaft und an der Börse vermeiden. An der Börse jedenfalls klappt das schon mal nicht, die VW-Aktie ist an diesem Mittwoch (04.11.2015) wie ein Stein gefallen. Ende der Talfahrt nicht in Sicht. Ist der Chefetage in Wolfsburg und ihren Aufsehern eigentlich klar, was auf dem Spiel steht? Es ist ganz sicher, dass die Abartigkeit ihres Tuns auf die gesamte deutsche Industrie abstrahlt. Denn schließlich ist VW neben Siemens Deutschlands wichtigster Industriekonzern. Aber was muss das für ein Sumpf sein, wenn nach wie vor nichts wirklich Handfestes nach draußen kommuniziert wird außer neue Unregelmäßigkeiten?

Tut was!

Wann endlich erfährt die Öffentlichkeit mehr? Betroffene VW-Besitzer werden weiter im Unklaren gelassen, wie und wann es los geht mit den Rückrufen. Es gab eine einzige Anzeige in großen deutschen Zeitungen, in denen sich der Autobauer entschuldigte und um Vertrauen warb. Das ist jetzt vier Wochen her. Soll es das gewesen sein? Wenn man liest, dass es Tausende verschiedene Varianten wird geben müssen, um alle betroffenen Autos zu reparieren, soll dass eine verkappte Entschuldigung sein, warum ansonsten Ruhe herrscht?

Nein, es zeigt vielmehr, dass der Autoriese auf seinem Weg zur Weltspitze schlicht außer Kontrolle geraten war. Gut, dass der neue Chef diesen Irrsinn wenigstens fürs Erste beendet hat. Aber das reicht vorne und hinten nicht. Es muss jetzt wirklich alles auf den Tisch, und zwar bald. Die Rückrufe müssen bald beginnen, und sei es nur mit einer ersten Tranche. Oder aber es gibt Entschädigungen für betroffenen VW-Besitzer. Irgendein Zeichen jedenfalls muss her. Man kann davon ausgehen, dass die Aufarbeitung der Affäre den Konzern auf Jahre hinaus beschäftigen wird. Seine verprellte Kundschaft sollte man jedenfalls nicht so lange warten lassen.