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Nationalelf

Kommentar: Ohne Gegner

Deutschland feiert seine Nationalelf: Souverän sichert sich die DFB-Elf das Ticket für die WM in Russland. Davon darf man sich nicht blenden lassen, warnt Joscha Weber. Denn die Konkurrenz in der Gruppe war zu schwach.

Fußball Abschlusstraining Nordirland - Deutschland Joachim Löw (picture-alliance/dpa/C. Charisius)

Souverän und ungeschlagen ja. Aber auch wettbewerbsfähig im Kampf mit den großen Gegnern? Löw sucht Antworten.

Auch die WM-Novizen haben es schnell verinnerlicht: das Weltmeister-Gefühl. So sagt ein Sebastian Rudy, noch ohne WM- oder EM-Erfahrung, kurz nach dem 3:1-Sieg in Nordirland: "Nach Russland fahren wir, um was zu reißen! Wir wollen den Titel dort erfolgreich verteidigen." Beim Triumph in Brasilien 2014 musste er noch am Fernseher zusehen, doch für seine möglicherweise erste FIFA Weltmeisterschaft im kommenden Sommer gibt er gleich das höchste aller Ziele vor. Es ist das Selbstbewusstsein des amtierenden Champions, das Bundestrainer Joachim Löw allen seinen Spielern einimpft. Das ist aus Trainersicht richtig und wichtig.

Löw will die "übergroße und übermenschliche Motivation erhalten und wieder abrufen". Das klingt sperrig, meint aber einen simplen Sachverhalt: Nach den Titeln bei WM 2014 und dem Confed Cup 2017 muss der Erfolgshunger am Leben gehalten werden. Und das versucht Löw durch die Integration vieler junger Spieler, die den Etablierten Beine machen sollen. In der Qualifikation zur WM in Russland hat das gut funktioniert. Deutschland siegte sich auch dank des neuen, hungrigen Personals durch Gruppe C, gewann bisher alle Spiele, traf 38 Mal, kassierte nur drei Gegentore. 19 verschiedene Torschützen stehen sinnbildlich für die breite Auswahl im deutschen Kader. Und doch darf man sich von dieser blütenweißen Weste nicht blenden lassen.

Nicht einmal richtig gefordert

Weber Joscha Kommentarbild App

DW-Sportredakteur: "Nicht alle Nationalspieler haben schon internationales Format. Das zeigt auch die jüngste Pleitenserie deutscher Klubteams im Europapokal."

Die Gegner in Gruppe C hatten allesamt nicht das Format, um es mit der DFB-Elf aufzunehmen. Norwegen: ein Schatten seiner selbst. Tschechien: weit weg vom Glanz der 90er. Aserbaidschan: bemüht, aber kein echter Prüfstein. San Marino: netter Trainingskick. Nordirland: der schärfste Verfolger und das will etwas heißen. Fazit: Deutschland wurde in dieser Qualifikation nicht einmal gefordert. Höchstens moralisch, durch die widerlichen Nazi-Entgleisungen einiger "Fans" beim Spiel in Prag.

Sportlich sind wir nach der erfolgten WM-Qualifikation so schlau wie zuvor. Wie stark ist die deutsche Elf wirklich? Was sind die vielen Siege wert? Liegt die deutsche Elf tatsächlich auf Kurs Titelverteidigung, wie derzeit viele Kommentatoren meinen? Die Wahrheit lautet: Wir wissen es nicht. Auch der Bundestrainer scheinbar nicht. Nicht anders sind die beiden Testspielansetzungen im März zu erklären, wenn die DFB-Elf keine Geringeren als Spanien und Brasilien erwartet. Nach all den kleinen braucht er nun ein paar große Hürden.

Wer hat internationales Format?

Zugegeben: Es gibt jede Menge Hoffnung für den Traum vom fünften WM-Titel. Da ist zum Beispiel Joshua Kimmich. Der Bayern-Youngster ist inzwischen zu einem echten Eckpfeiler im Spiel der Löw-Elf gereift. Gegen Nordirland traf er nicht nur, sondern gab auch seinen insgesamt achten Assist - Torgefahr hat im deutschen Spiel häufig etwas mit seiner Initiative und Gedankenschnelligkeit zu tun. Der erst 22-jährige Abwehrspieler sollte - so viel scheint schon jetzt sicher - unbedingt auch bei der WM eine tragende Rolle im Konzept des Bundestrainers spielen. Timo Werner und Sandro Wagner haben den zuletzt etwas verwaisten deutschen Sturm neu belebt. Und viele Stammkräfte wie Neuer, Reus, Gündogan oder Hector fehlen ja noch verletzt.

Wenn sie zurückkehren, zeigt sich, ob Löws Komposition funktioniert. Viel alt mit etwas neu oder gar viel neu mit etwas alt? Bewerber auf WM-Tickets gibt es gefühlt so viele wie selten zuvor. Nicht alle wird der Bundestrainer mitnehmen können. Nicht alle passen in sein System. Und längst nicht alle haben schon das nötige internationale Format. Das zeigt zum Beispiel auch die jüngste Pleitenserie deutscher Klubteams im Europapokal. Vermutlich erst im Frühjahr wissen wir, was übrig ist, vom Weltmeister-Gefühl.

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