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Welt

Kommentar: Obamas kubanische Revolution

Die USA und Kuba wollen diplomatische Beziehungen aufnehmen. Nach mehr als 50 Jahren Eiszeit. Der radikale Kurswechsel von US-Präsident Barack Obama ist ein überfälliger Schritt, meint Astrid Prange.

Kuba, my love! Es ist eine ganz besondere Liebeserklärung, die US-Präsident Barack Obama der Karibikinsel macht. Sie ist so revolutionär wie die kubanische Revolution und so friedlich wie die biblische Bergpredigt. Liebet Eure Feinde, lautet die Botschaft.

US-Präsident Barack Obama ist der alte kommunistische "Feind" abhanden gekommen. Und Kubas Präsident Raúl Castro der Hass auf den Kapitalismus. Beim ersten Telefongespräch von Präsident zu Präsident seit 1961 wurden sich die beiden Staatschefs überraschend schnell einig. Sie wollen ihre seitdem auf Eis gelegten diplomatischen Beziehungen wieder aufnehmen und Botschafter austauschen.

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das Handelsembargo der USA gegen Kuba fällt. Denn schon jetzt taugt das Wort "Embargo" lediglich noch als ideologisches Pflaster für politische Hardliner, insbesondere für die Republikaner im US-Kongress, die ein Ende der Sanktionen als eine Niederlage der USA betrachten.

Dabei ist die Aufhebung des Embargos bereits in vollem Gang: Seit dem Jahr 2000 dürfen neben Medikamenten nämlich auch landwirtschaftliche Produkte wie Mais, Getreide und Geflügel aus humanitären Gründen aus den USA nach Kuba eingeführt werden.

Flirt mit Schurkenstaat

Deutsche Welle Astrid Prange De Oliveira

Astrid Prange, Redakteurin bei DW-Brasilianisch

Zudem reisen seit 2011 jährlich 100.000 US-Amerikaner zum kulturellen und wissenschaftlichen Austausch nach Kuba. Die Beschränkungen für Exilkubaner in den USA, ihre Verwandten auf der Insel zu besuchen, wurden ebenfalls aufgehoben. Bei der Küstenwacht und an der Grenze des US-Marine-Stützpunktes in Guantanamo sollen nach Presseberichten sogar die Militärs beider Länder zusammenarbeiten.

Nun will Obama offiziell ein "neues Kapitel" in den Beziehungen zur kommunistischen Karibikinsel aufschlagen und Kuba von der US-Liste der sogenannten Schurkenstaaten streichen, die Terroristen unterstützen. Außerdem soll das Reiseverbot für amerikanische Touristen auf die Karibikinsel weitgehend aufgehoben werden.

Sündenbock Embargo

Mehr ist zurzeit nicht drin, denn für eine völlige Aufhebung des Embargos bräuchte Obama eine Mehrheit im Kongress in Washington. Doch auch wenn es nur kleine Schritte sind - der amerikanisch-kubanische Mauerfall hat begonnen. Die Lockerung der Sanktionen und die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen leiten unwiderruflich das Ende des Embargos ein.

Dieser mentale Mauerfall war überfällig. Denn die Blockade ist überholt und hat sich als wirkungslos erwiesen. Mehr noch, ihre Befürworter haben genau das Gegenteil von dem erreicht, was sie eigentlich wollten. Sie haben den kommunistischen Machthabern in Havanna eine einfache Ausrede für ihr wirtschaftspolitisches Versagen geliefert. Nun haben sich die alten Feinde auf die Bergpredigt besonnen. Es lebe die Feindesliebe!

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