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Amerika

Kommentar: Obama zerstreut Zweifel über IS-Strategie

Mit Spannung wurde Obamas Rede zu seiner IS-Strategie erwartet. Auch wenn diese keine Garantie für Erfolg sein kann, so ist es dem US-Präsidenten doch gelungen, den Führungswillen der USA zu zeigen, meint Miodrag Soric.

Wenn amerikanische Präsidenten neue Kriege oder militärische Auseinandersetzungen ankündigen, werden sie pathetisch. Sie führen aus, weshalb der Kampf notwendig ist, wie sie am Ende siegen werden und weshalb Amerika führen muss. Diesem Muster folgte auch Präsident Obama in seiner Rede aus dem Weißen Haus. Er beschrieb die Verbrechen des Islamischen Staates. Er skizzierte seinen Plan, mit Hilfe der Iraker, der Kurden, der Freien Syrischen Armee sowie mehrerer Verbündeter die Islamisten zu besiegen. Er wurde emotional, erklärte, weshalb nur Amerika in der Lage sei, eine Koalition gegen den IS anzuführen.

Eine klare, gute Rede

Obama machte deutlich, was dieser Einsatz gegen den Islamischen Staat von den Kriegen in Afghanistan und Irak unterscheidet: Es werden keine amerikanischen Kampftruppen eingesetzt. Aber: Er verglich die bevorstehende "Vernichtung" des IS mit den US-Einsätzen in Jemen und Somalia. In Somalia herrscht jedoch nach wie vor das Chaos. Im Jemen bekriegen sich verschiedene Gruppen, al-Kaida-Gruppen finden Unterschlupf in dem Land ohne eine funktionierende Regierung. Wenn ein Sieg über den IS – wie immer wir ihn definieren – in ein zweites Somalia oder Jemen mündet, wäre das ein Desaster.

Es könnte alles ganz anders kommen

Zwar erwähnte Obama die Risiken, die der Kampf gegen den Islamischen Staat mit sich bringt. Doch nur am Rande. Denn die eilig zusammengeschusterte Koalition gegen die Terroristen ist alles andere als stabil. Der Irak hat zwar eine neue Regierung, wie der US-Präsident hervorhob. Doch die Gegensätze zwischen Schiiten und Sunniten sitzen noch immer tief. Die irakische Regierung hat noch keinen Verteidigungsminister. Die Kurden kooperieren zwar derzeit mit Bagdad. Aber am Ende wollen sie doch ihre Unabhängigkeit, ihren eigenen Staat. Obama zeichnete ein geschöntes Bild von der Ausbildung der Freien Syrischen Armee in Saudi-Arabien. Aber wer weiß schon, ob die Kämpfer tatsächlich bestehen können auf dem Schlachtfeld gegen die fanatischen IS-Truppen, die sich zum Großteil aus professionellen irakischen Soldaten zusammensetzen. Obama wäre nicht der erste amerikanische Präsident, der mit viel Optimismus in einen Krieg zieht und später entdeckt, dass alles ganz anders kommt als erhofft.

Ziel erreicht

Der Präsident wollte mit dieser Rede Zweifel an seinem Führungswillen zerstreuen. Zweifel daran, dass er eine Strategie habe im Kampf gegen den Islamischen Staat. Zweifel daran, dass er nicht mehr an Amerikas Sonderrolle in der Welt glaubt. Zweifel daran, dass er ein führungsstarker Oberbefehlshaber sein kann, der auch unbequeme Entscheidungen trifft. All das ist ihm gelungen.

Seine Worte würden allerdings mehr Gewicht haben, wenn der Kongress ihn in den kommenden Tagen unterstützen und ihm Geld für die bevorstehende Auseinandersetzung mit den Islamisten bewilligen würde. Dann wären das nicht nur die Hoffnungen eines amerikanischen Präsidenten. Es wäre die Aussicht auf eine tatsächliche Strategie der USA, getragen von der gesamten politischen Elite des Landes.