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Amerika

Kommentar: Nur Mut

In seiner ersten großen Rede vor dem Kongress hat US-Präsident Barack Obama angesichts der Wirtschaftskrise ein nüchternes Bild der Lage der Nation gezeichnet. Er sagte aber auch, das Land könne sein Tief überwinden.

Themenbild Kommentar Grafik Symbolbild

Christina Bergmann Studio Washington, Hörfunk Experten

Viel Neues hat Barack Obama in seiner Rede nicht verkündet. Aber das war auch nicht nötig. Gerade fünf Wochen im Amt hat seine Regierung schon erstaunliches geleistet: Ein knapp 800 Milliarden schweres Konjunkturpaket verabschiedet. Hilfen auf den Weg gebracht für von Zwangsversteigerung ihrer Häuser bedrohte Familien und für ins Trudeln geratene Banken, Sondergesandte in die politischen Krisenherde der Welt entsandt und die Schließung von Guantanamo angeordnet.

Niemand sollte dabei ernsthaft erwarten, dass diese Maßnahmen sofort greifen. Die USA sind wie ein Supertanker: Der neue Kapitän an Bord kann einen anderen Kurs befehlen – das schwere Schiff wird die Richtung trotzdem nur langsam ändern. So hat der Präsident getan, was derzeit am dringendsten nötig ist: Er vermittelt seinen Landsleuten Zuversicht. Denn die Wirtschaftskrise in den USA ist auch eine Vertrauenskrise. Die Börse hat kein Vertrauen in die Regierung, die Banken haben kein Vertrauen in die Konsumenten, und die Konsumenten haben kein Vertrauen in die Zukunft.

Ihrem Präsidenten allerdings vertrauen die Amerikaner nach wie vor. Obamas Beliebtheitswerte sind seit seinem Amtsbeginn nur leicht gesunken. Obama dankt es den US-Bürgern, indem er ihnen versichert, die eingeschlagene Kursänderung beizubehalten. Er strahlt Ruhe und Zuversicht aus. Denn was die USA jetzt am wenigsten gebrauchen können, ist einen Präsidenten, der beim ersten Widerstand seine Prinzipien über Bord wirft.

Das heißt nicht, dass die kritikresistente Sturheit eines George W. Bush wieder gefragt ist. Doch Barack Obama bereits jetzt als unfähig abzustempeln, ist schlicht zu früh. Dabei ist in der Tat in der neuen Regierung nicht alles problemlos gelaufen. Die Börse wartet noch immer auf die Details des zweiten Teils des Programms zu Stützung der Finanzbranche. Für den Posten des Handelsministers gibt es mittlerweile den dritten Anwärter, nachdem die ersten beiden, die Obama ausgesucht hatte, einen Rückzieher gemacht haben. Und von überparteilicher Zusammenarbeit ist bisher wenig zu merken. Doch angesichts der Mammutaufgabe, der sich Barack Obama und seine Regierung stellen müssen, sind das nur Kleinigkeiten. Wer dem jungen Präsidenten jetzt schon Versagen vorwirft, muss sich die Frage stellen lassen, ob dessen republikanischer Präsidentschaftskonkurrent John McCain in dieser Situation wirklich die bessere Alternative gewesen wäre.