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Asien

Kommentar: Nordkorea ist Chinas Sorgenkind

Nordkoreas Raketenstart wurde weltweit verurteilt. Selbst Peking, der letzte Verbündete Pjöngjangs, fand kritische Worte. Doch trotz Ärger über Pjöngjangs Alleingänge: Aus Peking wird keine harte Reaktion kommen.

Matthias von Hein, Leiter der Chinesischen Redaktion der Deutschen Welle (Foto DW)

Matthias von Hein

Der Raketenstart war angekündigt, die Reaktionen waren vorhersehbar: In Seoul, in Tokio und in Washington wurde er unisono als Test für eine ballistische Rakete eingestuft und damit als "unverantwortlich" und "provokativ" verurteilt. Der Ruf nach Konsequenzen wurde laut, der UN-Sicherheitsrat zu einer Sondersitzung einberufen.

Selbst aus Peking waren gedämpft kritische Töne zu hören: Von Bedauern war die Rede und dass Nordkorea doch bitte die Resolutionen der Vereinten Nationen beachten solle. Zu einer härteren Gangart gegenüber dem unbotsamen Nachbarn wird sich Peking aber kaum durchringen. Und Pjöngjang wird sich darauf verlassen können, dass China im UN-Sicherheitsrat harte Sanktionen gegen Nordkorea verhindern wird.

China ist der letzte verbliebene Verbündete Nordkoreas. Das völlig verarmte Land hängt komplett von China ab. Vor 60 Jahren, als Peking Pjöngjang im Koreakrieg unterstützte, jubelte die Propaganda, die Beziehungen zwischen den kommunistischen Bruderstaaten seien "so eng wie Lippen und Zähne". Seit aber China vor 30 Jahren wirtschaftliche Reformen und den "Sozialismus mit chinesischen Charakteristiken" eingeführt hat, haben sich die beiden Staaten entfremdet. Die Zähne beißen gelegentlich auf die Lippen - um im Propagandabild zu bleiben.

Wie sehr Peking von den nuklearen und raketentechnischen Alleingängen des Nordens, von dessen erratischer und provokanter Außenpolitik genervt ist, offenbarte die Enthüllungsplattform Wikileaks im Jahr 2010. Damals wurde bekannt, dass ein hoher Beamter des chinesischen Außenministeriums gegenüber südkoreanischen Diplomaten Nordkorea mit einem verzogenen Kind verglichen hatte.

Chinas Problem gegenüber Nordkorea: Der Werkzeugkasten zur Einflussnahme hält kaum Instrumente zur Beeinflussung Pjöngjangs bereit. Natürlich könnte Peking Nordkorea massiv schaden. Es bräuchte lediglich die Wirtschaftsbeziehungen und den Handel einzufrieren. Damit aber wäre ein zentrales Ziel der Pekinger Außenpolitik gefährdet: Der Erhalt des Status Quo auf der koreanischen Halbinsel. Peking möchte eine Implosion des Hungerstaates vermeiden. Dies würde eine Flüchtlingswelle nach China schwemmen. Zudem betrachtet Peking Nordkorea als Puffer zwischen seinen eigenen Grenzen und den amerikanischen Truppen im Süden der koreanischen Halbinsel. Den will es nicht aufgeben. Das wird wohl auch die neue chinesische Führung so sehen.