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Asien

Kommentar: Nordkorea isolierter denn je

Zwar hat Nordkorea einen neuen Diktator. Doch die Reaktion Nordkoreas auf die Sanktionen des Weltsicherheitsrates fügen sich in bekannte Muster: drohen, provozieren, Zugeständnisse erzwingen.

Foto: Hein, Matthias von Multimediadirektion REGIONEN, Asien - Chinesisch DW2_8126. Foto DW/Per Henriksen

Matthias von Hein, Leiter DW Chinesisch

Das einzig Berechenbare an Pjöngjang bleibt seine Unberechenbarkeit: Dem provozierenden Raketentest Mitte Dezember folgte eine überraschende Neujahrsrede des nordkoreanischen Diktators. Da wurde nicht nur ein radikaler Wechsel in der Wirtschaftspolitik angekündigt, sondern auch in den Beziehungen zum verfeindeten Süden. Nun also wieder Drohungen: Weitere Raketenstarts wurden angekündigt, sogar ein weiterer Atomwaffentest, beides "mit Zielrichtung USA"  laut staatlicher Nachrichtrenagentur KCNA. Nordkorea scheint auch unter dem neuen Thronfolger Kim Jong-un das alte Spiel mit Provokationen und Drohungen fortzuführen, das Pjöngjang so erstaunlich gut beherrscht. Auch, weil die dortige Führung ihre Karten ohne jede Rücksicht gegenüber der eigenen Bevölkerung spielt.

Trotz der schäumenden Rhetorik, mit der Nordkorea auf die am Mittwoch (23.01.2013) vom Weltsicherheitsrat beschlossenen neuen Sanktionen reagiert: Letztere werden Nordkorea kaum weh tun. Vor allem, weil die jetzt beschlossenen Maßnahmen gegenüber dem ursprünglichen Entwurf der USA deutlich abgeschwächt wurden. Sie sind lediglich eine leichte Verschärfung der bestehenden Sanktionen, gezielt gerichtet gegen wenige Unternehmen und Personen, die direkt am Raketenprogramm beteiligt sind. Was den Nordkoreanern aber sehr wohl weh tut, ist die Tatsache, dass auch Peking den Sanktionen zugestimmt hat, wie schon 2006 und 2009 nach den nordkoreanischen Atomtests. Der letzte verbliebene Bündnispartner Nordkoreas hat sich damit vor aller Augen abgewandt, Pjöngjang ist isoliert wie nie.

Zweiter Weg zur Bombe

Die Drohungen gegen die USA sind bislang leer. Zwar war der Raketentest im Dezember ein technischer Erfolg. Noch aber beherrscht Pjöngjang nicht die Herstellung eines raketentauglichen Sprengkopfes. Zweimal hat Nordkorea bislang Atomtests durchgeführt, mit Bomben auf der Basis von Plutonium. Beide Male waren zuvor Raketen getestet worden. Jetzt erwarten Experten, Pjöngjang könnte erstmals eine Bombe mit angereichertem Uran zünden, um einen zweiten Weg zur Bombe zu erproben.

Nordkorea hat viel in sein Atomprogramm und sein Raketenprogramm investiert. Und noch immer ist das Militär die entscheidende Macht im einzigen Staat mit einer stalinistischen Erbmonarchie. Das Militär wird sich diese prestigeträchtigen Waffen nicht einfach aus der Hand nehmen lassen. Schließlich verschafft bereits die Drohung mit einem Test dem isolierten Staat internationale Aufmerksamkeit. In solchen Fällen schaut alle Welt stets auch auf Peking, Nordkoreas Nachbarn und langjährigen Verbündeten. Von einer Beziehung so "eng wie Lippen und Zähne", wie es die Propaganda vor Jahrzehnten formulierte, kann aber schon lange keine Rede mehr sein. Zwar ist Pjöngjang wirtschaftlich völlig von China abhängig. Doch trotz dieser Abhängigkeit ist Pekings Einfluss auf Pjöngjang begrenzt.

Wie ein "ungezogenes Kind"

Immer wieder hat Nordkoreas Führung die chinesische Regierung brüskiert. Dank Wikileaks ist bekannt, dass ein chinesischer Vize-Außenminister gegenüber  US-Diplomaten das Verhalten Nordkoreas mit dem eines ungezogenen Kindes verglich. Das wolle mit seinem provokanten Verhalten die Aufmerksamkeit der Erwachsenen auf sich ziehen. Dieses ungezogene Kind hat in der Vergangenheit gelernt, mit seinem Verhalten politische und wirtschaftliche Zugeständnisse zu erzwingen. Denn für Peking wie auch für die Seoul steht viel auf dem Spiel: Der Kollaps Nordkoreas wäre eine Katastrophe: Eine humanitäre für Südkorea, das 25 Millionen verarmte Landsleute integrieren müsste, denen ein Leben lang der Hass auf den Süden eingetrichtert wurde. Eine sicherheitspolitische Katastrophe für China, weil es seinen Puffer gegenüber den amerikanischen Truppen in Südkorea verlöre und mit einer Flüchtlingswelle zurechtkommen müsste.

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