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Bundeswehr

Kommentar: Noch keine Cyber-Streitmacht

Hackerangriffe auf die Bundeswehr häufen sich. Die Verteidigung übernimmt künftig ein neues Cyber-Kommando. Bei der Suche nach IT-Spezialisten steht die Bundeswehr sich aber selbst im Weg, meint Nina Werkhäuser.

Rund 3.500 Cyberangriffe täglich - das ist eine völlig neue Dimension für die Bundeswehr, die in der Welt der Panzer und Kampfjets bekanntlich eher selten angegriffen wird. Zwar sind die meisten Attacken aus dem Netz vergleichsweise harmlos, aber einige sind es eben nicht. Sie sind hochgefährlich und könnten der Bundeswehr enormen Schaden zufügen.

Man denke nur an gut gehütete militärische Geheimnisse oder an IT-gestützte Waffensysteme, über die ein Angreifer im Netz die Kontrolle übernehmen könnte. Würden Operationspläne im Auslandseinsatz durch einen Hack bekannt, brächte das die Soldaten in eine sehr reelle Gefahr. Überdies hätte ein erfolgreicher Cyberangriff auf die Bundeswehr auch gravierende Auswirkungen auf die nationale Sicherheit.

Kein Arbeitgeber der Herzen

Das alles hat die Bundeswehr zwar erkannt, das Problem aber noch nicht gebannt. Natürlich gibt es dort längst hochkarätige Spezialisten, die die militärischen Netze kompetent überwachen. Gebraucht werden aber noch viel mehr von dieser Sorte. Doch woher nehmen? Der Markt ist leer gefegt, die Bundeswehr zahlt schlechter als die meisten Unternehmen und war beim Thema Digitalisierung bisher kein Vorreiter.

Nina Werkhäuser Kommentarbild App

DW-Korrespondentin Nina Werkhäuser

Hinzu kommt, dass sie sich durch die skandalösen Zustände in einigen Ausbildungseinheiten selbst geschadet hat. Begabte junge Programmierer schreckt das natürlich ebenso ab wie die Schwerfälligkeit der Armee, die den schnellen Innovationszyklen in der IT-Branche diametral entgegensteht.

Hier prallen also Welten aufeinander, was dem Verteidigungsministerium durchaus bewusst ist. Mit der Aufstellung des neuen Cyber-Kommandos wird gegengesteuert: Hier wird die Expertise, die in der Truppe bereits vorhanden ist, sinnvollerweise gebündelt. Andere Armeen haben das längst getan. Klug ist auch die Einrichtung eines Cyber-Clusters an der Bundeswehr-Universität in München - dort können die benötigten Fachleute ausgebildet werden.

Auch die Mentalität muss sich ändern

Doch das wird länger dauern, als es der Bundewehr lieb ist. Die große Herausforderung besteht nun also darin, für IT-Spezialisten schnell zu einem attraktiven Arbeitgeber zu werden. Hier dreht das Verteidigungsministerium schon an diversen Schrauben: In der Diskussion ist, die Anforderungen an die Fitness der Soldaten zu senken und die Offizierslaufbahn für Studienabbrecher zu öffnen. Auch den Kontakt zu innovativen Start-Ups in der IT-Branche soll gesucht werden.

Das mögen alles gute Ideen sein, aber ein großes Hindernis wird bleiben: Die Mentalität in der Bundeswehr, die von Misstrauen gegenüber der "zivilen Welt" geprägt ist, der es an Agilität, an Flexibilität und an der Bereitschaft zu ressortübergreifendem Handeln fehlt. Genau das aber ist in der digitalen Welt der Schlüssel zum Erfolg. Und so ist die Aufstellung des neuen Cyber-Kommandos, das in den Rang einer Teilstreitkraft mit einem eigenen Inspekteur erhoben wird, nur ein erster Schritt, dem schnell weitere folgen müssen. Nach dem Zeitplan der Bundeswehr soll das Kommando im Jahr 2021 voll einsatzbereit sein. Eines ist sicher: Solange werden die Angreifer im Cyberraum nicht warten.

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