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Welt

Kommentar: Nigeria braucht weiter internationalen Druck

Fünf afrikanische Staatschefs haben in Paris zusammen mit Präsident Hollande versprochen, gemeinsam gegen Boko Haram zu kämpfen. Doch nicht alle Teilnehmer dürften dies wirklich ernst meinen, fürchtet Thomas Mösch.

Deutsche Welle Afrika Haussa Thomas Mösch

Thomas Mösch, Leiter der Haussa-Redaktion der DW

Das Signal, das das Gipfeltreffen von Paris aussendet, ist zuallererst ein positives: Endlich will Nigeria enger mit seinen Nachbarländern zusammenarbeiten, um den Terror von Boko Haram zu bekämpfen. Es war in den vergangenen Wochen allzu offensichtlich geworden, dass Nigeria alleine mit dem Problem nicht fertig wird. Allerdings ist dieses Signal längst überfällig gewesen, denn Boko Haram operiert schon seit langem auch in Nigerias Nachbarländern Niger und Kamerun, wahrscheinlich auch im Tschad. Und es bleiben Zweifel, ob alle Beteiligten dieses Signal auch ernst meinen.

Ernst ist es mit Sicherheit dem Niger. Die Regierung in Niamey blickt mit Sorge und Entsetzen zum großen Nachbarn im Süden. Der Niger ist auf vielfältige Weise mit Nigeria verwoben: Auf beiden Seiten der fast 1500 Kilometer langen Grenze sprechen die Menschen die gleichen Sprachen, sie treiben intensiv Handel miteinander. Tausende Nigerianer haben sich aus Angst vor Boko Haram in die nigrische Provinz Diffa geflüchtet. Die liegt 1400 Kilometer von der Hauptstadt Niamey entfernt, aber direkt an der Grenze zum nigerianischen Krisenstaat Borno. Gleichzeitig rekrutiert dort Boko Haram Jugendliche, die für wenig Geld ihr Leben als Terrorkämpfer aufs Spiel setzen. Immer wieder melden nigrische Sicherheitskräfte, dass sie Boko-Haram-Kämpfer verhaftet und so geplante Anschläge verhindert hätten.

Frankreich will keine neue Front

Ernst ist mit dem gemeinsamen Kampf gegen Boko Haram auch den Franzosen. Paris will nach der erfolgreichen Eindämmung des Terrors in Mali und damit auch im Nachbarland Niger nicht eine weitere Front entstehen lassen. Frankreichs Verbündeter in Mali, der tschadische Diktator Idriss Déby, dürfte auch im Kampf gegen Boko Haram ein verlässlicher Verbündeter sein. Déby fürchtet nichts so sehr wie unkontrollierbare Rebellengruppen auf seinem Territorium. Die Hauptstadt Ndjaména trennt vom Nordosten Nigerias nur ein schmaler Streifen Kamerun. Und die Sicherheit in diesem Landstrich im äußersten Norden Kameruns kann die Regierung in Jaunde offensichtlich nicht mehr garantieren. Dies zeigen die wiederholten Angriffe und Geiselnahmen, zuletzt am Vorabend der Pariser Gipfelkonferenz.

Kameruns Regierung müsste also ebenfalls ein großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit Nigeria haben. Doch bisher war davon nichts zu merken. Immer wieder ließ die Regierung des greisen Präsidenten Paul Biya durchblicken, dass sie in erster Linie Nigeria selbst in der Pflicht sieht, für Ordnung im Nordosten zu sorgen.

Jonathan bisher wenig engagiert

Und die Regierung in Abuja selbst? Präsident Goodluck Jonathan hat in den letzten Monaten den Eindruck erweckt, als könne er ganz gut damit leben, dass seine Sicherheitskräfte die Terroristen in die ländlichen Regionen des Bundesstaates Borno zurückgedrängt haben. Dort wüten diese zwar mit umso größerer Brutalität, aber der weit von der Hauptstadt entfernte, bitterarme und dünn besiedelte Nordosten Nigerias schien auf der Prioritätenliste der Zentralregierung nicht sehr weit vorne zu rangieren. Selbst die Anschläge nahe der Hauptstadt Abuja vor wenigen Wochen störten die politischen Eliten in ihren Ränkespielen kaum. Schließlich stehen im Februar Wahlen an. Da geht es dann vor allem um die Kontrolle über die Öleinnahmen aus dem äußersten Süden Nigerias. Der Nordosten, der ohnehin traditionell die Opposition wählt, spielt da keine Rolle. Erst die internationale Aufmerksamkeit nach der Entführung von weit mehr als 200 Mädchen hat der Regierung Jonathan vor Augen geführt, dass sie mit dem "Business as usual" nicht weitermachen kann. Damit dies so bleibt, muss die internationale Gemeinschaft weiter Druck machen.