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Kommentare

Kommentar: Nicht flexibel genug

Dass Jürgen Klopp sein Amt beim BVB zum Saisonende aufgibt, lässt den deutschen Fußball zusammenzucken. Klopp scheiterte letztlich an seiner Treue zum eigenen System, meint DW-Redakteur Jonathan Harding.

Jürgen Klopp verlässt Borussia Dortmund zum Saisonende. Das hört sich doch nicht richtig an, oder? Die Nachricht ist ein Schock für die BVB-Fans und stellt einen einschneidenden Moment für die Borussia dar, die dringend Veränderung braucht. Trotzdem hat sie sich seit längerer Zeit angekündigt in einer für Club und Trainer fürchterlichen Saison.

Es war ein weiter Weg dorthin von Borussia Dortmunds Erfolgen: den Meistertiteln 2011 und 2012, dem beeindruckenden 5:2-Kantersieg über Bayern München im DFB-Pokalfinale 2012 und dem Erreichen des Champions-League-Finals 2013, in dem Arjen Robbens spätes Tor allen BVB-Träumen ein Ende setzte. Das Herz all dieser Erfolge war Klopp. Der schrullige und humorvolle Trainer brachte eine Gruppe erfolgshungriger, junger Spieler in die Liga, die er einen ganz neuen, eigenen und erfolgreichen Stil spielen ließ.

Er entdeckte das "Gegenpressing" und schnelle Umschaltspiel wieder, machte Dortmund zur gut geölten Ergebnismaschine und förderte mit Spielern wie Mats Hummels und Mario Götze einige der Weltmeister von 2014. Klopp hat nicht nur mit dem BVB Fußballgeschichte geschrieben, er hat auch viel zu den jüngsten Erfolgen der deutschen Nationalmannschaft beigetragen.

Haarsträubende Fehler

Doch während die Erfolgsgeschichte des deutschen Fußballs noch anhält, ist die des BVB vorerst beendet. Deutschlands Nummer zwei ist derzeit nur Zehnter der Bundesliga und hat 37 Punkte Rückstand auf die enteilten Bayern. Klopps Team war in dieser Saison total von der Rolle, machte immer wieder haarsträubende Fehler und war nur noch ein Schatten der Mannschaft, die zuvor ganz Europa in der Champions League begeisterte. Gleiches gilt auch für Klopp selbst.

Jonathan Harding (Foto: DW)

Jonathan Harding

Wie seine Spieler hat auch der charismatische Coach in dieser Saison einige erstaunliche Fehler gemacht. Alle beinhalteten deutliche Zeichen dafür, dass da ein Mann verzweifelt versuchte, dem Alptraum des Abwärtstrends zu entkommen. Klopp konnte sich einfach nicht von seinem favorisierten offensiven Spielstil mit hohem Tempo und frühem Pressing lösen. Viele Trainer haben ihre Spielphilosophie und sind damit erfolgreich. Doch die Fähigkeit, seinen Stil umzustellen und anzupassen, wenn er nicht mehr erfolgreich ist, ist umso wichtiger. Bestes Beispiel ist Bayerns Trainer Pep Guardiola. Ihm fehlten zuletzt mehrere seiner kreativen Offensivspieler. Also besiegte er die Dortmunder mit einem ungewohnten und unattraktiven Defensivfußball knapp aber effektiv mit 1:0. Die Dortmunder hielten an ihrem Stil fest und konnten in dieser Begegnung nur in den ersten zehn Minuten mithalten, danach verliefen die Aktionen des BVB im Sande.

Gleiches darf in den noch ausstehenden Spielen Klopps nicht passieren! Was der Trainer in den vergangenen Jahren erreicht hat, ist außergewöhnlich. Seine letzte Saison beim BVB sollte diesen hervorragenden Eindruck nicht trüben. Ein DFB-Pokalsieg zum Abschluss wäre ein Traum, ein siebter Platz und damit die Europapokalteilnahme wohl etwas zu hoch gegriffen. Ein leidenschaftliches, krachendes Finale zum Abschluss seiner Zeit in Dortmund wäre genau das, was Klopp verdient hätte. Dann gäbe es endlich wieder Gelegenheit für den Trainer, noch einmal einen seiner wilden Jubelsprünge mit geballter Faust vorzuführen.

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