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Kommentar: "Mr. Unberechenbar"

Donald Trump hat mit nur einem Telefonat die US-Chinapolitik der letzten Jahrzehnte auf den Kopf gestellt. Damit bestätigt er seinen Ruf als unberechenbarer Partner, meint Philipp Bilsky.

USA Trump zu Besuch im Carrier Werk in Indianapolis (Getty Images/T. Katopodis)

Donald Trump bei einem Besuch des Kälteanlagen-Herstellers Carrier am 1. Dezember

Die Reaktion aus Peking kam wie erwartet: Das chinesische Außenministerium protestierte und stellte fest, dass es in der Welt nur ein China gebe. Doch irritierte Stimmen gab es auch von anderer Stelle. Die US-Auslandshandelskammer in China erklärte, sie erwarte von der neuen Administration, dass sie den "Status Quo akzeptiere". Und das Weiße Haus beeilte sich zu unterstreichen, dass sich an der "seit langem geltenden Politik" gegenüber China nichts ändern werde.

Bilsky Philipp Kommentarbild App

Philipp Bilsky leitet die China-Redaktion der DW

Was war passiert? Als erster neugewählter US-Präsident seit Jahrzehnten hatte Donald Trump mit der Präsidentin Taiwans Tsai Ing-wen telefoniert. Taiwan hatte sich nach dem verlorenen Bürgerkrieg gegen die chinesischen Kommunisten von Festlandchina abgespalten. Aus Sicht Pekings ist Taiwan allerdings weiterhin ein Teil Chinas. Die US-Regierung hatte 1979 die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abgebrochen und folgt seitdem der Ein-China-Politik Pekings. Ein Telefonat, wie das nun geführte, galt seit Jahrzehnten als diplomatisch undenkbar.

War sich Trump der Tragweite bewusst?

War Donald Trump klar, was das Telefonat historisch und diplomatisch bedeutet? Eine enge Vertraute Trumps erklärte im US-Sender CNN, der künftige US-Präsident sei sich der Implikationen des Gesprächs vollauf bewusst gewesen. Daran dürften - angesichts der Tragweite dieser Handlung und diplomatisch ähnlich überraschender Äußerungen Trumps in der jüngsten Vergangenheit - durchaus Zweifel angebracht sein. Fest steht nur, dass das Weiße Haus ganz offenbar nicht im Vorfeld informiert worden war.

Viel war nach der Wahl von Donald Trump gemutmaßt worden, was seine Präsidentschaft für die chinesisch-amerikanischen Beziehungen bedeutet. Aus chinesischer Perspektive galt er in vielen Fragen - wie etwa im Konflikt im Südchinesischen Meer oder auch beim Thema Menschenrechte - als durchaus angenehmerer Partner als Hillary Clinton. Doch gleichzeitig war Trump - wegen der Widersprüchlichkeit vieler seiner Aussagen - nur äußerst schwer einzuschätzen.

Diesen Ruf als "Mr. Unberechenbar" hat er mit seinem unangekündigten Bruch einer jahrzehntelangen US-Chinapolitik nun eindrücklich bestätigt. Angesichts der Sprengkraft der zahlreichen bestehenden Konflikte zwischen China und den USA kein gutes Zeichen.

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