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Kommentare

Kommentar: Mit Teamgeist und Zuversicht

Der Erfolg der deutschen Handballer bei der EM in Polen ist ein Resultat von Teamgeist und Selbstbewusstsein, kommentiert Tobias Oelmaier. Jetzt ist sogar der Olympiasieg drin.

Selbst den Bundespräsidenten haben die deutschen Handballer gepackt. Er habe die meisten Spiele verfolgt und war "begeistert vom Mannschaftsgeist, der Sie zum Erfolg geführt hat", ließ Joachim Gauck den frischgebackenen Europameister wissen, bevor die Siegerehrung in Krakau begonnen hatte. Wie sehr sich Gauck tatsächlich im Handballsport auskennt, ist nicht bekannt. Aber er hat ganz offenbar gespürt, was alle gespürt haben, wenn das junge DHB-Team spielte.

"Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie." So oder so ähnlich muss das Motto von Trainer Dagur Sigurdsson gelautet haben, als ihm ein Leistungsträger nach dem anderen wegbrach. Kapitän Uwe Gensheimer und drei weitere Stammkräfte konnten verletzt überhaupt nicht mitwirken, seinen Stellvertreter Steffen Weinhold und Rückraumspieler Christian Dissenger erwischte es im Hauptrundenspiel gegen Russland. 16 EM-Debütanen liefen so in Polen auf. Unbekümmert, unverbraucht, hungrig und selbstbewusst. Deren Blick: immer nach vorne gerichtet.

"Ein Finale spielt man, um es zu gewinnen", posaunte Julius Kühn vor dem Endspiel gegen Spanien heraus. Ausgerechnet Kühn, der ebenso wie Kai Häfner die EM bis kurz vor dem Halbfinale aus dem Fernsehsessel verfolgt hatte und kurzfristig für die Verletzten nachnominiert wurde. Und Häfner war es, der mit seinem Treffer gegen Norwegen fünf Sekunden vor Schluss die Finalteilnahme überhaupt erst ermöglicht hatte.

Freilich hatten die deutschen Handballer auch Glück. Fast alle Spiele, bis auf dieses 24:17 gegen Spanien, waren eng. Gegen Norwegen ging es sogar in die Verlängerung. Hätte man da verloren, man hätte sich nicht beschweren können. Aber auf beschweren hatten sie einfach keine Lust. Sie wollten gewinnen. Und Glück kann man eben auch erzwingen.

Den Trend bestätigt

Oelmaier Tobias Kommentarbild App

DW-Sportredakteur Tobias Oelmaier

Der Erfolg kommt "nicht von ungefähr", ordnete Sigurdsson das Erreichte nach dem Titelgewinn ein. "Wir spielen schon seit anderthalb Jahren einen guten Handball." Tatsächlich - die Qualifikation für die WM 2015 wurde noch verpasst, nur durch eine fragwürdige Wildcard durfte der DHB überhaupt eine Mannschaft nach Katar schicken. Am Ende stand ein respektabler siebter Platz. Dieses Wunder von Polen ist also kein Zufall sondern das Ergebnis akribischer Arbeit.

Nun gilt es, die Euphorie zu konservieren, zu kanalisieren. Für zwei Wochen ist Handball in Deutschland Volkssport geworden. Die ARD überträgt die Rückkehr der Helden live im Fernsehen. Acht Millionen haben allein das Halbfinale im TV verfolgt. Das ist eine Chance: für diesen Sport, aber auch für alle anderen Sportarten, für den Nachwuchs. Denn der EM-Titel von Krakau hat gezeigt: Beharrlichkeit, Talent und Teamgeist machen vieles möglich. Wenn man daran glaubt. Und so klingt die Losung des Deutschen Handballbundes gar nicht mehr so unrealistisch, die da heißt: "Olympiasieg 2020". Vielleicht klappt es ja sogar schon in diesem Sommer in Rio!

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