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Kommentar: Mit Schirm, Charme und Rauchgranate

Belgien legt über mehrere Tage ganz Brüssel lahm. Dabei herausgekommen ist bisher nichts, doch das ist keine Überraschung. Denn die belgischen Behörden zeichnen sich vor allem durch Inkompetenz aus, meint Max Hofmann.

Brüssel Terroralarm 6

Die Straßen menschenleer, die Schulen, Behörden und Geschäfte geschlossen - Brüssel am Tag drei des Terroralarms

Brüssel lässt man vieles durchgehen: die Bausünden, den permanenten Verkehrsinfarkt, den Müll auf den Straßen, sogar den Dauerregen im Herbst. Es gibt ja Regenschirme und den immer wieder beschworenen "Charme" dieser doch so "lustigen", "schrägen" und "lebendigen" Stadt, der alles entschuldigt. Das Problem: Mit Charme allein fängt man keine Terroristen.

Jetzt schon den dritten Tag in Folge hängt an den Toren der Hauptstadt Europas faktisch ein riesengroßes "Geschlossen"-Schild: keine Metro, keine Großveranstaltungen, keine Schule. Die Bewohner Brüssels geben ihren Alltag auf, bleiben lieber zu Hause - natürlich möglichst weit weg von den Fenstern ihrer Wohnungen, so wie es die Behörden erbitten - und hoffen, dass die nach "ernstzunehmenden" Hinweisen "unmittelbar bevorstehenden" Anschläge von Polizei und Militär verhindert werden können.

Schräger Humor auf Twitter

Allerdings: Warum irgendjemand Vertrauen in die belgischen Behörden haben sollte, bleibt ein Rätsel. Schon in Zeiten, als sich der Brüsseler Stadtteil Molenbeek noch nicht als Islamisten-Hochburg ins europäische Bewusstsein eingegraben hatte, war die Polizei dieses "charmanten" Landes vor allem für ihre Inkompetenz und Willkür bekannt. Ein schändliches Denkmal dafür sind die Ermittlungspannen im Zusammenhang mit Marc Dutroux, einem barbarischen Kinderschänder, dessen Taten vor 20 Jahren ganz Europa schockierten.

Hofmann Maximilian Kommentarbild App

Max Hofmann leitet das DW-Studio in Brüssel

Jeder wünscht sich natürlich, es wäre anders. Und die Brüsseler mit ihrem legendären Langmut sind ja auch bereit, im Zweifel ihrer Polizei zumindest ansatzweise zu vertrauen: Sie folgten am Sonntagabend brav dem Aufruf, während der Großeinsätze in den sozialen Netzwerken Ruhe zu bewahren. Während in diversen Vierteln der Hauptstadt Europas mal wieder die Sirenen heulten und die Rauchgranaten flogen - mittlerweile schon Teil des Stadtbildes - gab es unter dem Hashtag #BrusselsLockDown auf Twitter keine substantiellen Informationen mehr, sondern nur noch

Katzenfotos.

Da war er wieder, dieser schräge Humor, der Charme.

Chaotische Zuständigkeiten und Kommunikation

Und was hat es gebracht? Nichts - so scheint es zumindest. Zahlreiche Festnahmen, wie auch schon in der vergangenen Woche. Die allermeisten der Festgenommenen werden die Richter in Kürze wohl wieder laufen lassen. Der einzige, der nach jetzigem Stand diesen ganzen Aufwand rechtfertigen könnte, ist der flüchtige Salah Abdeslam, einer der mutmaßlichen Attentäter von Paris. In Molenbeek soll er nach dem 13. November gesehen worden sein, in Liège und auch auf der Autobahn Richtung Deutschland. Es scheint fast, als wüsste ganz Belgien, wo der Mann steckt - nur die Behörden bekommen ihn nicht zu fassen.

Ist ja auch nicht ganz einfach, bei den ganzen Zuständigkeiten. Nicht ein oder zwei, sondern ganze sechs Polizeibehörden sind für die 19 Stadtbezirke in Brüssel zuständig. Und dann auch noch der Sprachenwirrwarr: Die einen sprechen flämisch, die anderen französisch und wenn man Pech hat, dann versteht der eine die Sprache des anderen eben nicht. Das hatte schon in der Vergangenheit verheerende Folgen: zum Beispiel bei einem Zugunglück 2001 in Pécrot, als acht Menschen starben. Die beteiligten Bahnhofsmitarbeiter in Flandern und Wallonien konnten wegen sprachlicher "Barrieren" nicht miteinander kommunizieren.

Eine Gefahr für Europa

Aber zurück zu den Brüsseler Behörden. Die wissen natürlich schon seit Jahrzehnten, welch unheilvolles islamistisches Süppchen vor allem in Molenbeek vor sich hinköchelt. Viel dagegen unternommen haben sie nicht - außer natürlich ab und zu Rauchgranaten werfen und Türen einzutreten. Dass ihre Arbeit auch jetzt - trotz mehrtägigem Lahmlegen der Stadt - bisher kaum Früchte trägt, muss aber nicht nur den Bewohnern Brüssels Sorgen machen. Die Inkompetenz der belgischen Behörden ist inzwischen eine Gefahr für ganz Europa!

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