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Kommentar

Kommentar: Mit Schönheit gegen Gewalt

In Peru haben die Kandidatinnen der landesweiten Miss-Wahl ausgerechnet den Schönheitswettbewerb genutzt, um gegen Gewalt gegen Frauen zu protestieren. Daran gibt es nichts auszusetzen, meint Uta Thofern, im Gegenteil.

Selten hat ein Schönheitswettbewerb so viel internationale Aufmerksamkeit erregt wie dieser in Peru. Statt, wie sonst üblich, ihren Brust-, Taillen- und Hüftumfang in Zentimetern anzusagen, präsentierten die schönsten Frauen des Landes andere Zahlen. Hässliche Zahlen.

Zum Beispiel zu "feminicidios", wie in Lateinamerika Morde genannt werden, die mit der Rolle von Frauen und ihrem Geschlecht zu tun haben: 2202 Fälle solcher Frauenmorde sind in Peru in den vergangenen neun Jahren dokumentiert worden; in diesem Jahr bereits mehr als 80. Zum Beispiel zum Thema häusliche Gewalt: 60 Prozent aller Peruanerinnen erfahren laut einer UN-Studie mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt von ihrem Partner. Zum Beispiel Kindesmissbrauch: 13.000 Mädchen in Peru sind Opfer sexueller Gewalt.

Nicht nur in Peru

Alle 13 Finalistinnen des Schönheitswettbewerbes hatten etwas zu der deprimierenden Aufzählung beizutragen, einige nannten Zahlen aus ihrer Region, andere landesweite Daten. Sie hätten auch Statistiken aus Kolumbien oder Costa Rica präsentieren können - aus Sambia, Bangladesch oder der Tschechischen Republik. Alles Länder, die in einer UN-Studie über Gewalt gegen Frauen unrühmliche Plätze einnehmen.

Thofern Uta Kommentarbild App

Uta Thofern leitet die Lateinamerika-Programme der DW

In Lateinamerika gilt Peru nach Bolivien als das Land mit den meisten dokumentierten Fällen von Gewalt gegen Frauen, und das  obwohl vor zwei Jahren schärfere Gesetze erlassen wurden. Auch in Argentinien und Mexiko werden  beinahe täglich Frauen von Ehemännern, Lebensgefährten oder Fremden brutal ermordet, obwohl es dort inzwischen explizite Strafen für "feminicidios" gibt.

Gesetze müssen eben auch angewendet werden. Ein grundsätzliches Problem in vielen Ländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens, wo Aggressionen gegen Frauen vergleichsweise am häufigsten sind. Wo Korruption und Straflosigkeit alltäglich sind, fallen eben auch Verbrechen gegen Frauen unter den Tisch, könnte man meinen.

Gewalt gegen Frauen - überproportional hoch, brutal und perfide

Aber die Gewalt gegen Frauen ist überproportional hoch und in vielen Fällen auch noch besonders brutal und perfide, weil sie im Kreise der Familie stattfindet. Väter, die ihre Töchter vergewaltigen, Ehemänner, die ihre Frauen zerstückeln. Jungen und Männer werden sehr viel seltener Opfer solcher Verbrechen. Aber Polizisten, Staatsanwälte und Richter sind immer noch meistens Männer. Oftmals mit den entsprechenden Denkmustern.

Nichts macht das deutlicher als die Tatsache, dass nur kurz nach der von den TV-Organisatoren geplanten Aktion in Peru bereits Kritik aufkam, ausgerechnet von vermeintlichen oder selbsternannten Feministinnen und Feministen: Der Protest bei der Miss-Wahl könne als "Kommerzialisierung der Gewalt" verstanden werden.

Denkmuster als wahre Ursache

Diese Argumentation macht sich die Denkweise der Aggressoren zu eigen und reduziert die Teilnehmerinnen eines Schönheitswettbewerbs auf ihre Körper. Frauen, die ihre Schönheit zeigen, wollen nur Geld machen? Das erinnert stark an vor Gericht oft gehörte Sätze, dass "aufreizend" gekleidete Frauen ihre Vergewaltigung selbst verschuldet hätten. Genau dieses Denken ist die wahre Ursache für Gewalt gegen Frauen.

Die Miss-Wahl in Peru war eine Show, klar. Auch noch eine, die von Männern gern gesehen wird. Und deshalb genau die richtige Plattform. Denn die Kandidatinnen haben weder Bier noch Autos vermarktet, sondern Solidarität unter Frauen demonstriert. Ihr Anliegen ist international, es braucht weltweite Aufmerksamkeit und die Bereitschaft zu Kampagnen. Und das nicht nur zum Internationalen Weltfrauentag.

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