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Politik

Kommentar: Missglückte Charmeoffensive

Mit großen Versprechungen und kleinen Geschenken ist Bush durch Lateinamerika gereist. Sympathien gewonnen hat er nicht. Auch den Einfluss von Chávez hat er nicht mindern können, im Gegenteil. Steffen Leidel kommentiert.

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"Ihr habt einen Freund in den USA", hatte US-Präsident George W. Bush vor seiner Reise nach Lateinamerika gesagt. Seine Botschaft hatte er an die arme Bevölkerung gerichtet. Doch sie kam nicht an. In nahezu allen Ländern Lateinamerikas kam es zu heftigen Protesten. Das überrascht nicht. Dass über den großen Bruder im Norden die Nase gerümpft wird, ist nichts Neues.

Bush hat während seiner Amtszeit nichts dafür getan, das schwierige Verhältnis zu verbessern. Beschäftigt mit den Kriegen in Irak und Afghanistan haben er und seine Regierungsmannschaft die Region politisch vernachlässigt. Bush muss sich jetzt aus dem Kongress sogar den Vorwurf anhören, er habe den Linksruck in Südamerika mit seiner Politik begünstigt. Aus der Luft gegriffen ist das nicht.

Verkorkste Werbetour

Der linksnationalistische Präsident Venezuelas, Hugo Chávez, hat Bush erfolgreich zur Hassfigur stilisiert. Den amerikanischen Präsidenten mit Schimpftiraden zu überhäufen, hat seine Popularität gefördert. Das hat Chávez' Anti-Bush-Tour gezeigt. Tausende jubelten ihm zu, als er Bush als "politischen Kadaver" bezeichnete.

Sollte Bush diese Reise tatsächlich als Charmeoffensive gesehen haben, so ist sie gescheitert. Der Zug für ihn ist in Lateinamerika abgefahren, die Einsicht, der Region wieder mehr Aufmerksamkeit zu widmen, kommt zu spät. Auch das Vorhaben, den Einfluss von Chávez zu mindern, ist misslungen. Es wurde eine verkorkste Werbetour. Sie wirkte improvisiert und verzagt.

Zölle zu hoch

Bushs Amtszeit neigt sich dem Ende. Es war von vorneherein klar, Abkommen von großer Tragweite würden nicht zustande kommen. Stattdessen verteilte der US-Präsident kleine Leckerli. Er versprach ein Hilfsprogramm im Kampf gegen soziales Elend. Es umfasst beispielsweise kostenlose medizinische Behandlung und die Finanzierung von Englischkursen. Peanuts im Vergleich zu dem, was die USA allein an einem Tag im Irak ausgeben.

Außerdem hätten er und seine Berater wissen müssen, dass solch ein Hilfsangebot ein Eigentor bedeutet. Die Geschenke ähneln doch sehr den Sozialprogrammen von Hugo Chávez, auch er versorgt, behandelt und bildet Arme kostenlos. Außerdem wollen die meisten Länder in Südamerika auch nicht "aid" sondern "trade", wie der chilenische Ex-Präsident Ricardo Lagos im Interview mit DW-WORLD.DE betont hat.

Vermeintlicher Sieger Chávez

Wirtschaftlich hatte Bush außer Absichtserklärungen und symbolischen Abkommen nichts zu bieten. Zwar vereinbarte er, mit Brasilien, die Produktion des Biokraftstoffs Ethanol anzukurbeln. Einen Verzicht auf US-Zölle für brasilianisches Ethanol konnte er aber nicht zusichern. Vage Erklärungen gab er auch zu den Themen Einwanderung und Drogenhandel in Mexiko und Kolumbien ab.

Manch ein Beobachter sieht nun in Chávez den lachenden Sieger im Duell mit dem mächtigsten Mann der Welt. Da mag was dran sein. Lange wird die Freude von Chávez aber nicht anhalten. Bush-Bashing hat bald ausgedient. Dann muss Chávez aufpassen, dass er nicht in den luftleeren Raum hineinplärrt.

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