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Europa

Kommentar: Mehr Geld für AIDS-Prävention - die Streichung der Streichung

Am Montag beginnt die AIDS-Konferenz der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Noch in der Vorwoche hat die Bundesregierung mehr Geld für die Prävention versprochen. Das war überfällig, meint Marcus Kreutler.

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Es wurde als riesiger Schritt verkauft: Die Bundesregierung investiert mehr Geld in den Kampf gegen Aids - im Ausland ebenso wie hierzulande. Gut zwölf Millionen Euro sind nun für AIDS-Prävention in Deutschland eingeplant, ein Drittel mehr als im Vorjahr. Doch die beworbene Erhöhung hat einen Schönheitsfehler: Sie nimmt lediglich frühere Kürzungen zurück, und das auch nur teilweise. Mit umgerechnet 25 Millionen Euro konnte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) das Thema nach dem "AIDS-Schock" in den 80er-Jahren angehen. Seither wurde gestrichen, bis zuletzt noch neun Millionen Euro übrig blieben.

Begründet wurde das stets mit den bisherigen Erfolgen. Doch die Gefahr war nie gebannt. Seit 2002 entdecken deutsche Labore wieder mehr HIV-Infektionen, aber die Politik sparte weiter bei der Aufklärung. Das macht angesichts der hohen Behandlungskosten schon ökonomisch keinen Sinn, selbst wenn man bereit ist, für einen Moment von den Folgen für die Betroffenen abzusehen.

Gut gerüstet zur Konferenz

Der Zeitpunkt, ein höheres Budget anzukündigen, ist geschickt gewählt. Am Montag (12.03.) findet in Bremen die Konferenz der deutschen EU-Ratspräsidentschaft zur AIDS-Bekämpfung in Europa statt. Angela Merkel und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt werden mit ihrem neuen Aktionsplan im Rücken entspannt dorthin aufgebrochen sein.

Vor allem osteuropäische Staaten, in denen sich immer mehr Menschen mit HIV infizieren, sollen zu mehr Vorbeugung veranlasst werden. Und wie ein Sportlehrer, der die 10-Kilometer-Strecke selbst mitläuft, wird Merkel auf die eigenen Anstrengungen verweisen: Aufklärung kostet Geld, aber seht her, wir haben die Ausgaben dafür gerade um ein Drittel erhöht!

Die Aufklärung geht teilweise am Bedarf vorbei

Das deutsche Modell mit individueller Beratung einerseits und großen Kampagnen andererseits wird auf der Konferenz als gute Lösung präsentiert werden. Das ist es im Prinzip auch. Doch die BZgA muss die Ausrichtung ihrer Arbeit überdenken.

Ihre reichweitenstärkste Maßnahme sind die bekannten "Mach's mit"-Plakate, auf denen für Kondome als Schutz vor AIDS geworben wird. Drei von vier Deutschen haben solch ein Plakat im Jahr 2005 wahrgenommen. Nur: Fehlendes Wissen um das Infektionsrisiko bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr ist nicht das Problem.

Bewusst machen, wie schwer die Krankheit ist

Bei Studien wissen regelmäßig 99 oder 100 Prozent der Befragten, dass sie sich durch ungeschützten Sex anstecken können. Inzwischen halten aber nur noch 30 von 100 Deutschen AIDS für eine der gefährlichsten Krankheiten, das sind nur halb so viele wie zu Beginn der 90-er Jahre. Fast alle wissen, wie sie eine Ansteckung vermeiden können; doch viele wissen nicht mehr, wie wichtig das ist.

AIDS ist weiterhin eine unheilbare Krankheit. Und Menschen mit AIDS leiden. Diese Fakten scheinen in Vergessenheit zu geraten, und deswegen gehören sie auf die Plakatwände – auch wenn das weniger lustige Motive sein werden. Wenn die nun zur Verfügung stehenden zwölf Millionen Euro pro Jahr nicht ausreichen, die Botschaft wieder in die Köpfe zu bekommen, dann muss noch einmal nachgebessert werden. Es wäre wiederum nur die Streichung einer Streichung.

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