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Sport

Kommentar: Mehr als nur ein blaues Auge

Deutschland steht im Viertelfinale. So weit das Positive. Doch das Wie war erschreckend und gibt Anlass zur Sorge. Vom Titel braucht vorerst niemand mehr zu sprechen, meint DW-Sportredakteur Joscha Weber.

Wo soll man nur anfangen? Die Mängelliste des deutschen Spiels an diesem denkwürdigen WM-Abend ist so lang, dass man am Ende leicht die Übersicht verliert. Die Abwehr: desolat. Das Mittelfeld: völlig neben sich. Der Angriff: ineffizient und weitgehend wirkungslos. Einzig der überragende Manuel Neuer verhinderte Schlimmeres. Ja, Deutschland steht im Viertelfinale und das ist es, was im Fußball zählt, sagen nun die Pragmatiker vor allem aus den Reihen des Deutschen Fußball-Bundes. Aber dieser mehr als glückliche 2:1-Sieg im Achtelfinale gegen Algerien bleibt wertlos, wenn aus ihm keine Konsequenzen gezogen werden. Dann droht im Viertelfinale das sichere Aus.

Joscha Weber (Foto: DW)

Joscha Weber

Erster Vorschlag, lieber Bundestrainer: Erkennen und nutzen Sie die Potenziale echter Außenverteidiger. Die Abwehrreihe, die seit dem WM-Auftakt ausschließlich aus Innenverteidigern besteht, war erneut über die Außen verwundbar und leicht auszuhebeln. Shkodran Mustafi und Benedikt Höwedes standen in der ersten Halbzeit komplett neben sich und waren überfordert mit den schnellen algerischen Vorstößen. Eine Erkenntnis übrigens, die man auch schon nach dem Ghana-Spiel gewinnen konnte.

Lahm muss die Abwehr stabilisieren

Es ist höchste Zeit zum Handeln. Kapitän Philipp Lahm sollte die Abwehr endlich stabilisieren und wieder auf seiner früheren Position als Rechtsverteidiger spielen. Als er nach einer guten Stunde wegen der Verletzung Mustafis nach hinten beordert wurde, gab das der Abwehr mehr Sicherheit - ein Fingerzeig. Und auf der linken Seite sollte der Bundestrainer Mut beweisen und dem jungen und laufstarken Erik Durm eine Chance geben, um endlich auch mehr Impulse für das Spiel nach vorne zu bekommen.

Zweiter Vorschlag: Das Mittelfeld braucht dringend mehr Dynamik und muss umgekrempelt werden. Mesut Özil braucht nach seiner uninspirierten und völlig verunsicherten Vorstellung gegen Algerien eine Denkpause. Auch das Vertrauen des Bundestrainers in Mario Götze wurde enttäuscht, zu langsam, zu wenig engagiert sein Spiel. Torschütze Andre Schürrle hat sich sein Startelf-Debüt nun redlich verdient und sollte gegen Frankreich auflaufen.

Mehr Vertrauen in Klose

Dritter Vorschlag: Mehr Vertrauen in Kloses Knipser-Qualitäten. Torchancen im Dutzend ließ die deutsche Elf gegen Algerien aus, hätte dringend einen echten Stürmer mit Killerinstinkt gebraucht. Doch Klose schmorte auf der Bank. Warum nicht auch mal mit einem leicht zurückgezogenen Thomas Müller und einem Miroslav Klose als Spitze spielen? Angesichts mangelnder Torgefahr durch Götze und Özil bietet sich diese Variante nun geradezu an.

Denn klar sollte sein: So geht es nicht weiter. Mit einer vergleichbaren Leistung wie gegen Algerien ist im Viertelfinale gegen Frankreich definitiv Schluss. Die DFB-Elf braucht einen Weckruf und personelle Änderungen. Sonst braucht niemand mehr vom Titel zu sprechen, der ist in dieser Verfassung nämlich unerreichbar.