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Kommentare

Kommentar: Matjes, Macht und Merkel

Zum fünften Mal in Folge wurde Angela Merkel zur mächtigsten Frau der Welt gekürt. Felix Steiner freut sich. Aber fragt sich zugleich, ob ein Ranking der einflussreichsten Fischfreunde nicht spannender gewesen wäre.

Deutschland Angela Merkel isst Matjes bei Schiffstaufe

Angela Merkel bei einer Schiffstaufe in Sassnitz am Dienstag. Am gleichen Tag wurde die Forbes-Liste vorgestellt.

Hätte das Forbes-Magazin nicht die 100 mächtigsten Frauen, sondern die 100 einflussreichsten Fischesser der Welt gekürt - Angela Merkel hätte zweifelsohne auch in diesem Ranking den ersten Platz belegt. Und sie bliebe dies vermutlich unangefochten auch noch im kommenden Jahr. Den absehbaren Verlust der Krone der mächtigsten Frau dieser Erde hat Forbes ja bereits anmoderiert.

Felix Steiner

DW-Redakteur Felix Steiner

Angela Merkel wird ob jener tragischen Ankündigung dennoch nicht schlechter als sonst geschlafen haben. Genau das ist ja, was wir Deutschen an unserer Kanzlerin so schätzen: Diese Ruhe und Gelassenheit, mit der sie Probleme löst und schwerste Krisen angeht. Den Finanzmarkt-Crash 2008, die Euro-Krise, die Ausbreitung des "Islamischen Staates", Wladimir Putin und die Ukraine. Außerdem Friedrich Merz und Roland Koch (Können Sie sich an die noch erinnern?), Horst Seehofer und Sigmar Gabriel. Angela Merkel managt alles. Und weil sie das so erfolgreich macht, wird sie es ziemlich sicher auch über den nächsten Urnengang hinaus tun können. In der SPD stellt man sich ja bereits die Frage, wer gegen Angela Merkel bei der Bundestagswahl 2017 verlieren soll.

Die Bundeskanzlerin - ein kleiner Fisch

Falls nun aber bald Hillary Clinton zur mächtigsten Frau der Welt gekürt werden sollte und Angela Merkel auf Platz zwei abrutscht, dann sagt das ganz augenscheinlich wenig über die individuelle Leistung der beiden aus, als vielmehr über das Amt, das sie ausüben. Gegenüber der US-Präsidentin ist die Bundeskanzlerin eben doch nur ein kleiner Fisch. Was bei Männern auf beiden Posten im Übrigen das Gleiche wäre.

Letztlich geht es also um ein Ämter-Ranking. Deutschland - obwohl doch vergleichsweise klein - mächtiger als Brasilien! Das freut die deutsche Seele. Und im globalen Maßstab immer noch wichtiger als Youtube und Facebook! Auch das ist eine beruhigende Botschaft. Ob sich Angela Merkel auch dann auf Platz eins hätte halten können, wenn eine Frau CEO bei Google wäre?

Deutschland Angela Merkel besucht Fischer in Lobbe Wahlkampf 1990

Schon im Bundestagswahlkampf 1990 bekannte Angela Merkel ihre Nähe zum deutschen Fisch aus der Ostsee.

So bleibt die Forbes-Liste vor allem eines: eine Übersicht, welche einflussreichen Positionen weltweit derzeit von Frauen eingenommen werden. Da ist inzwischen eine ansehnliche Zahl zusammengekommen, aber "die Hälfte des Himmels" gehört den Frauen noch lange nicht. Selbst dann nicht, wenn Hillary Clinton zur US-Präsidentin gewählt werden sollte. Es wäre eben doch nur ein Amt mehr - wenn auch das offenbar mit Abstand einflussreichste.

Wer ist mächtiger - Fischer oder Fischesser?

Was macht eigentlich Einfluss und Macht im globalen Maßstab aus? Vieles bleibt da im Unklaren. Der erläuternde Artikel im Forbes-Magazin über die Kriterien des Rankings löst das Rätsel jedenfalls nicht. Wissenschaftlich präzise oder gar objektiv ist die Liste auf keinen Fall, ihr Informationsgehalt von daher beschränkt. Warum machen Journalisten dann so etwas überhaupt? Weil Journalismus nicht nur informieren, sondern auch unterhalten darf. Die Abrufzahlen der entsprechenden Galerien und Berichte deutscher Online-Medien sprechen für sich - das Publikum liebt solche Rankings. Weil man ja nicht nur von Katastrophen, Kriegen und Terrorismus lesen will. Und genau deshalb legen ja auch wir an dieser Stelle nochmal nach. (So nennen es Journalisten, wenn sie ein neues Stück zum Thema von gestern schreiben.)

Russland Putin mit Hecht

Der erfolgreiche Hechtangler Wladimir Putin. Ein potenzieller Ranking-Konkurrent für Angela Merkel.

Richtig ist schon: Die aktuelle Forbes-Liste schmeichelt Angela Merkel, schmeichelt uns Deutschen. Aber aussagen tut sie eigentlich nichts. Genauso gut hätte Forbes das Ranking der einflussreichsten Fischfreunde erstellen können. Je nach Wertungs-Kriterien wäre der Kampf um Platz eins vielleicht doch noch ganz spannend geworden. Die entsprechende Bildergalerie hätte auf jeden Fall massenhaft Klicks bekommen!

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