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Kultur

Kommentar: Mahner mit leeren Händen

Bei seiner Heiligland-Reise drängt Papst Franziskus auf mehr Engagement für die syrischen Flüchtlinge. Zu Recht, meint DW-Kirchenexperte Christoph Strack. Jordanien fühlt sich mit der Not der Menschen allein gelassen.

Nein, es waren nicht viele Flüchtlinge bei der großen Messe von Papst Franziskus im Stadion der jordanischen Hauptstadt Amman. Einzelne. Irgendwann schritt stolz ein bärtiger Mann mit irakischer Fahne durch das Rund, von Beifall begleitet. Am Rande hockte eine kleine syrische Gruppe.

Dabei sind viele 100.000 Menschen vor dem blutigen Bürgerkrieg im Nachbarland nach Jordanien geflohen. Aber sie werden, selbst wenn sie Christen sind, andere Sorgen haben als einen Festtag im Sonntagsstaat.

Flüchtlinge hausen in Zelten am Straßenrand, in überfüllten Behelfswohnungen, in Lagern im Norden des Landes. Saatari, das größte dieser Camps, ist bereits die viertgrößte Stadt des Landes. Bis zu 1,5 Millionen Menschen bei gut sechs Millionen Einwohnern. Jordanien, das ökonomisch ohnehin zu kämpfen hat, kommt an seine Grenzen. In Schulen wird in überfüllten Klassen in zwei Schichten unterrichtet, das Gesundheitssystem ächzt, die Jordanier fürchten um ihre Jobs. Und mit Staunen und stiller Wut erleben die Menschen, wie die Staatengemeinschaft nun Geld in Milliardenbeträgen in die Ukraine lenkt.

Die Not der Flüchtlinge hat ein konkretes Gesicht

Franziskus dankt Jordanien nachdrücklich für sein Engagement. Die internationale Gemeinschaft müsse das Land tatkräftiger unterstützen.

Für diesen Papst hat diese Not immer ein konkretes Gesicht. Am Abend stand an der Taufstelle Jesu am Jordan eine Begegnung des Papstes mit Flüchtlingen an. Ein symbolischer Ort für ein solches Treffen, weitab von städtischem Leben und sozialer Versorgung. Und doch fand hier nach christlicher Tradition ein Neubeginn statt. Das katholische Kirchlein an dieser Stelle ist fast noch eine Baustelle: Fensterlos, die Wände noch unverputzt, ein nackter Boden. Ein Ort wohl nach dem Geschmack des Papstes.

Im vorigen Sommer reiste Franziskus, erschüttert von der andauernden Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer, auf die italienische Insel Lampedusa. Er erinnerte daran, dass diese Menschen auch ein Antlitz haben. Nach seinem Besuch wachte Italien auf und holt seitdem weit mehr Menschen lebend an Land als zuvor.

Aufruf mit leeren Händen

Doch an das zweite Drama am Rande Europas - den Krieg in Syrien mit bislang rund 150.000 Toten und Millionen von Flüchtlingen - hat sich Europa, hat sich die internationale Staatengemeinschaft anscheinend gewöhnt. Und sie vergisst. Die Europäer, sagte ein syrischer Kirchenmann frustriert am Rande des Papstbesuchs, sollten Hilfe nach Syrien schicken und nicht Waffen dorthin verkaufen. Der Papst mag leiser bitten, er selbst hat leere Hände. Aber die Welt sollte seine Mahnung hören.

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