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Kommentar: Machtspiel statt Elitekick

Statt wie bisher 16 Teams kämpfen bei der EURO 2016 in Frankreich 24 Mannschaften um den Titel. Dadurch droht eine schleppende Gruppenphase und ein sportlich fragwürdiger Turnierverlauf, meint DW-Redakteur Jens Krepela.

Michel Platini vor Logo der EURO 2016 (Foto: picture-alliance/dpa/I. Langsdon)

Ex-UEFA-Präsident Michel Platini wollte die EM-Aufstockung - die Früchte seiner Initiative darf er nicht ernten

Mehr Spiele, breiteres Interesse, größere Überraschungen - die Befürworter der Aufstockung von 16 auf 24 Teams bei der Euro 2016 finden viele

positive Argumente

. Bei Licht betrachtet bleibt davon allerdings nicht viel übrig.

Bisher galt die Europameisterschaft im Vergleich zur WM gerade für die großen Teams als kniffliger, wegen der ungleich höheren Leistungsdichte schon in der Gruppenphase. Das sorgte für Spannung von der ersten Minute an. Für die Fans, aber auch für die Teams. Nun droht stattdessen ein schleppender Auftakt. Ganz einfach, weil in vier von sechs Gruppen sogar die Drittplatzierten ins Achtelfinale einziehen. Das entwertet die Gruppenphase und degradiert viele der Spiele zur ins Turnier verlagerten Qualifikation. Auch Bundestrainer Joachim Löw hält mit seiner Kritik nicht hinter dem Berg: "Als Trainer halte ich die Aufstockung des Teilnehmerfeldes bei einer Europameisterschaft für fragwürdig", sagte Löw, DFB-Teammanager Oliver Bierhoff sprach von "Verwässerung".

Überraschungsteams gab es schon immer

Jens Krepela (Foto: DW)

Jens Krepela hält von der Aufstockung auf 24 Teams nichts

Blickt man zurück auf die jüngere Geschichte der Europameisterschaften ist auch die Hoffnung auf noch größere Überraschungen nicht zu halten. Schließlich gab es jedes Mal Teams, die in positiver oder negativer Weise überrascht haben. 2012 fuhren die Niederlande ohne Punkt nach Hause. 2008 scheiterte die Türkei erst im Halbfinale nur knapp an der deutschen Elf und 2004 holte mit Griechenland eine Mannschaft den Titel, die wirklich keiner auf dem Zettel hatte. Das nun Nordirland, Island oder Albanien Gleiches werden vermögen können, ist kaum zu erwarten.

Mehr Breite, weniger Spitze

Gerade die UEFA müsste eigentlich einer Aufblähung des Spielplans kritisch gegenüberstehen. Schließlich ist man mit einem ähnlichen Projekt, der unsäglichen Zwischenrunde in der Champions League, schon einmal auf die Nase gefallen. Keinem nutzt es, wenn wie bei der EURO 2016 einfach nur mehr Fußball gespielt wird, aber alle weniger guten Fußball zu sehen bekommen.

Die Hauptfigur hinter dieser unnötigen Aufblähung ist inzwischen schon selbst über seine dubiosen Verstrickungen im Weltfußball gestolpert. Anfang Mai räumte Michel Platini seinen Stuhl als UEFA-Präsident. Er war es, der die Aufstockung vorangetrieben hatte, möglicherweise, um sich mit der Mammut-EM in seinem Heimatland selbst ein Denkmal zu setzen. In jedem Fall aber folgte Platini damit der gleichen Machtstrategie, die seinen Mentor Josef Blatter jahrzehntelang an der Spitze des Weltfußballverbandes FIFA gehalten hatte. Mit Versprechungen und Zugeständnissen an die kleinen Verbände versuchte er, sich deren Rückhalt zu sichern.

Für den momentan führungslosen, aber sonst unumstrittenen Verband geht es weniger um Macht, vielmehr um Geld. Durch die erhöhte Zahl an Spielen bei der EURO 2016 bietet sich ein noch größeres Potential an Vermarktung, welches wiederum die Kassen der UEFA klingeln lässt. So gesehen eine Win-win-win-Situation. Es gibt nur einen großen "Loser": den sportlichen Wettbewerb auf höchster Ebene.

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