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Sport

Kommentar: Logisches Ende der EM

Die deutsche Nationalmannschaft hat den Europameistertitel verpasst. Sie verlor das Finale in Wien gegen Spanien 0:1. Und das völlig zu Recht, findet Stefan Nestler.

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Die beste Mannschaft des Turniers ist Europameister. Basta. Die Spanier haben ihr Turniertrauma überwunden und sind endlich einmal für ihren begeisternden Fußball belohnt worden. Sie waren das spielerisch stärkste aller 16 Teams. Sie boten erfrischenden, modernen Offensivfußball, auf technisch höchstem Niveau. Und das nicht nur in einigen Spielen, sondern über die gesamte Zeit des Turniers.

Nummer zu groß

Für die deutsche Mannschaft waren die Spanier im Finale schlichtweg eine Nummer zu groß. Die Niederlage hätte eigentlich deutlich höher ausfallen müssen. Denn bis auf eine gute Anfangsviertelstunde enttäuschten Michael Ballack und Co. auf ganzer Linie.

Das Endspiel war aus deutscher Sicht ein fast logisches Ende der vergangenen drei Wochen. Die geplante Bergtour führte mehrmals ins Tal, um dann kurz vor dem Gipfel hängen zu bleiben. Dem verheißungsvollen Auftakt gegen Polen folgte eine indiskutable Leistung gegen Kroatien. Der eher schwache EM-Gastgeber Österreich taugte als Aufbaugegner. Im Viertelfinale gegen Portugal, einen der Turnierfavoriten, wuchs das deutsche Team über sich hinaus. Um dann im Halbfinale gegen die Türkei wieder zur Turniermannschaft zu schrumpfen, die aus wenig Leistung das maximale Ergebnis herausholte. Das war eindeutig zu wenig, um im Finale überragende Spanier überraschen, geschweige denn besiegen zu können.

Bart statt Schnelligkeit

Was für die Mannschaft insgesamt galt, spiegelte sich auch in der Leistung der einzelnen Spieler. Keiner spielte über sechs Partien konstant gut, alle leisteten sich Durchhänger. Torwart Jens Lehmann flatterte noch im Halbfinale mehr als der Ball. In der Abwehr nahm Christoph Metzelders Bartlänge zwar im Turnierverlauf zu, nicht aber seine Schnelligkeit. Auch Per Mertesacker wirkte häufig viel zu langsam. Im Mittelfeld ließ Michael Ballack in mehreren Spielen seine Klasse vermissen, auch im Finale. Von einem Führungsspieler muss man eindeutig mehr verlangen dürfen. Und der vor der EM hoch gelobte deutsche Sturm Miroslav Klose und Mario Gomez blieb fast immer ein laues Lüftchen. Am ehesten erfüllten noch Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski und Philipp Lahm über das gesamte Turnier gesehen die hohen Erwartungen. Doch auch sie blieben allzu oft unter ihren Möglichkeiten.

Der Einzug ins Finale sollte also nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutsche Mannschaft deutlich mehr kann, als sie bei der EM gezeigt hat. Sie sollte sich in Zukunft auf ihre Stärken zurückbesinnen, die sie in den vergangenen Jahren entwickelt hatte: aus einer sicheren Abwehr heraus mit schnellen Kombinationen angreifen und entschlossen abschließen. So haben im Finale die Spanier gespielt, nicht die Deutschen.

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