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Kommentare

Kommentar: Lieblingsverbündeter und Sorgenkind

Drei Jahre lang war Gero Schließ als Korrespondent im Studio Washington im Einsatz. Kurz vor seiner Rückkehr nach Deutschland wirft er einen ganz persönlichen Blick auf den Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Deutsche und Amerikaner haben mehr gemein, als ihnen vielleicht bewusst und lieb ist. Ich meine zum Beispiel das Aufkommen rechts-populistischer Parteien und Politiker. Wie oft habe ich in den vergangenen Monaten in Kommentaren und TV-Schalten das Phänomen Trump zu erklären versucht.

Die AfD in Deutschland ist gewiss nicht 1:1 mit ihm gleichzusetzten. Doch ihr Erfolg zeigt, wie eng die politischen Systeme auf beiden Seiten des Atlantiks mittlerweile interagieren. Ganz zu schweigen von Ländern wie Polen oder Ungarn, in denen lokale "Trumpisten" die Regierung stellen. Es überrascht nicht, dass sich solche unliebsamen Gemeinsamkeiten vor allem im Angesicht globaler Bedrohungsszenarien wie dem Terror oder der Flüchtlingskrise herausschälen.

Amerikaner mögen Deutschland

Deutsche und Amerikaner verbindet aber auch gegenseitige Sympathie. Vielleicht empfinden sie die Amerikaner für uns sogar stärker als umgekehrt. "Germany sells" heißt es in den USA. Die Menschen mögen uns. Wie oft habe ich einen anerkennenden Blick bekommen, wenn die Rede auf mein Heimatland kam - egal ob vom Taxifahrer, dem Kassierer im Supermarkt oder den Jungs in meiner samstäglichen Laufgruppe. Selbst mein nicht akzentfreies Englisch bekam immer wieder das Prädikat "cute" - sozusagen als klingender Sympathiebonus.

Schliess Gero Kommentarbild App

Gero Schließ, bisher Korrespondent im Studio Washington

Zum positiven Deutschlandbild hat aber vor allem eine Deutsche beigetragen, die wegen ihres Mutes und ihrem Durchhaltevermögen fast schon bewundert wird: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie genießt in den USA hohe Anerkennung, mitunter sogar mehr als der eigene Präsident. Barack Obama wiederum respektiert keinen europäischen Regierungschef stärker als Merkel. In seinem vielzitierten Interview im Magazin "The Atlantic" hat er sie von seiner beißenden Kritik an den "Trittbrettfahrern" Frankreich und Großbritannien ausgenommen und anerkannt, dass ohne ihre Unterstützung in der Ukraine-Krise keine geschlossene Front gegen Putins Russland zustande gekommen wäre - ganz zu schweigen von ihrem Krisenmanagement in der Euro- und Griechenlandkrise.

Sorge um Deutschland

Doch seit Deutschland vom Flüchtlingsstrom überwältigt scheint und Europa vom Terror heimgesucht wird, hat sich etwas geändert. Plötzlich machen sich meine Freunde Sorgen um den Heimkehrer - und eine Mehrheit der Amerikaner ganz generell um Deutschland. Laut einer Umfrage, die jetzt vom German Marshall Fund präsentiert wurde, fürchten 52 Prozent der Amerikaner, dass die Flüchtlinge eine Bedrohung für die Sicherheit Deutschlands sind. Genau die Hälfte erwartet, dass die Ausländerfeindlichkeit wächst. Auch Präsident Obama fürchtet mittelfristig um Deutschlands politische Stabilität. Für ihn käme es einer außenpolitischen Katastrophe gleich, würde Angela Merkel doch noch über die Flüchtlingskrise stürzen.

Zu den Realitäten der amerikanisch-deutschen Freundschaft gehört aber auch, dass Obama wenig bis gar nichts getan hat, um Merkel politisch zu stützen. Denn die Amerikaner sind weit davon entfernt, Verantwortung für die massive Flüchtlingsbewegung zu übernehmen, die sie mit dem jüngsten Irak-Krieg und nachfolgenden militärischen Interventionen mit ausgelöst haben. Die Ankündigung der Obama-Regierung, 10.000 syrische Flüchtlinge aufzunehmen, ist angesichts der Größenordnungen lächerlich. Und selbst diese Zahl ist ja bei den Republikanern noch umstritten.

Ärger über Europa

Doch egal welche Partei: Der Unwillen über die Unfähigkeit der Europäer, für ihre eigene Sicherheit zu sorgen, ist erheblich - und auch berechtigt. Spätestens nach den Terroranschlägen von Paris und Brüssel wird das auch in den US-Medien unverblümt geäußert.

Für einen der kenntnisreichsten Sicherheitsexperten, David Ignatius von der Washington Post, haben die Anschläge von Brüssel auf schockierende Weise die Dysfunktionalität der europäischen Sicherheitsarchitektur offenbart. Er geht sogar so weit, zu fordern, dass die sträflich vernachlässigte Zusammenarbeit unter den europäischen Geheimdiensten nun unter amerikanischer Führung erzwungen werden müsse.

Wem das zu viel amerikanisches Engagement ist, der wird sich unter einem Präsidenten Trump womöglich noch danach zurücksehnen. Dessen ätzende Kritik an einer "überholten" Nato und schmarotzenden Verbündeten ist nicht so unpopulär, wie man denkt.

Ob die USA weiterhin im Sinne der Obama-Doktrin - zwar mit abnehmenden Wirkkräften, aber weiterhin konstruktiv - das Weltgeschehen zum Guten wenden wollen oder sich gemäß dem Trumpschen Ego- und Isolationismus zurückziehen, darüber findet bald eine Volksabstimmung statt. In ein paar Monaten, bei der Präsidentschaftswahl.

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