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Kommentare

Kommentar: Kuka braucht keinen Welpenschutz!

Alarm im Zirkus! Chinesen wollen Kuka kaufen! Der deutsche Wirtschaftsminister sieht sich um den Schlaf gebracht. Er soll sich lieber wieder hinlegen, meint Henrik Böhme. Die Aufregung ist nicht angebracht.

John Cryan, der Chef der Deutschen Bank, sucht ziemlich verzweifelt einen Abnehmer für die Postbank. Manchmal, so der Brite neulich vor Investoren, träume er sogar von einem chinesischen Käufer. Ein Glück, dass der deutsche Wirtschaftsminister das nicht gehört hat. Womöglich würde er direkt beginnen, eine europäische Allianz zu schmieden zum Zwecke des Erwerbs der bei der Deutschen Bank nicht mehr geliebten Tochter.

So wie Sigmar Gabriel, der Sozialdemokrat, jetzt auch versucht, den deutschen Roboterbauer Kuka aus Augsburg vor den Chinesen zu retten. Gut, er sagt es vorsichtiger: Es würde ihn freuen, wenn es eine europäische Alternative gäbe. Selbst aus Brüssel vom deutschen Digitalkommissar Oettinger bekam Gabriel Unterstützung. Spätestens da reibt man sich verwundert die Augen und fragt: Was ist da los?

Ungebetene Einmischung

Es hat ja in Berlin offenbar niemanden gestört, als der chinesische Sany-Konzern vor einiger Zeit den deutschen Mittelständler Putzmeister kaufte. Der ist mit seinen Betonpumpen einer von diesen "hidden champions", einer dieser weitgehend unbekannten Weltmarktführer. Auch als Chinesen beim Gabelstabler-Bauer Kion zuschlugen: Keine Reaktion. Warum auch? Übernahmen, Fusionen, Eigentümerwechsel: Das alles gehört zu einer freien Marktwirtschaft. Es ist alltägliches Geschäft.

Aber plötzlich ist Alarm: Kuka, eine Perle der deutschen Industrie! Was haben die Chinesen vor? Das Know-how absaugen, die Produkte kopieren und dann Tschüss? Ok, Herr Minister, wir haben den Ruf gehört. Aber das sollte es dann bitteschön gewesen sein. Nichts, aber auch gar nichts, rechtfertigt eine Einmischung der Politik ins Tagesgeschäft von Unternehmen. Falls das zur Beruhigung des Ministers beiträgt: Gerade mal acht Fusionen oder Übernahmen durch chinesische Unternehmen hat es im vergangenen Jahr in Deutschland gegeben. Eine Welle sieht anders aus.

Offenheit auf beiden Seiten

Vor ein paar Jahren, 2009, war Kuka ein Sanierungsfall. Jahre zuvor war der US-Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte bei der Vorgängerfirma IWKA eingestiegen. Erst heimlich, dann öffentlich. Er zwang das Management des Konsortiums zum Verkauf von Unternehmensteilen - übrig blieb der Roboterbauer Kuka, der als Folge der Weltfinanzkrise in schweres Wasser geriet. Es hagelte heftige Kritik an dem in Deutschland als Heuschrecke verunglimpften Investor. Und doch: Mit einem neuen Chef hat sich Kuka seither gemausert, ist zum Vorreiter der vierten industriellen Revolution geworden. Das muss es sein, was den Wirtschaftsminister so nervös macht. Was man hierzulande Industrie 4.0 nennt, ein Feld, auf dem Deutschland eine Spitzenposition hat, könnte in die Hände der Chinesen fallen, so die Befürchtung der Politiker. Welch ein Unsinn!

Sicher kann es hilfreich sein, bei den anstehenden Regierungsgesprächen in China darauf hinzuweisen, dass deutsche Firmen ebenso in chinesische Firmen investieren könnten. Bislang sind nur sogenannte Joint-ventures, also Gemeinschaftsunternehmen, möglich. Schließlich strebt China an, als Marktwirtschaft anerkannt zu werden. Da sollte eine solche Offenheit dazu gehören.

Zum Schluss eine Frage: Was ist jetzt eigentlich schlimmer für ein deutsches Unternehmen? Wenn der Finanzinvestor anklopft oder der Chinese? So oder so: Wenn deutsche Firmen so attraktiv sind, dann ist das doch wohl eher ein Zeichen dafür, das einiges richtig gut läuft in der deutschen Wirtschaft. Abschottung jedenfalls ist der falsche Weg.

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