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Politik

Kommentar: Krieg gegen den Terrorismus - eine Bilanz

Sieben Jahre nach den Anschlägen vom 11. September ist der islamistische Terrorismus eingedämmt, nicht besiegt. Für einen Sieg bedürfte es weiterer, nicht nur militärischer Erfolge.

Kommentar-Grafik

Der Schock des 11. Septembers liegt nun sieben Jahre zurück. Sieben Jahre, in denen die schrecklichen Bilder des einstürzenden World Trade Centers nicht aus unserem Gedächtnis gewichen sind. In den USA sind die Opfer nicht vergessen, auch wenn sich das Land seitdem gewandelt hat. Ein maximales Sicherheitsdenken ging auf Kosten individueller Freiheiten. Aus dem freien Amerika wurde der "Sicherheitsapparat made in USA". Wie in so vielen Dinge waren die Vereinigten Staaten auch hier wieder Vorbild für andere Staaten, wobei sich die Frage stellt: Wo endet das Sinnvolle und Notwendige, wo beginnt das Über-das-Ziel-Hinausschießen? Das betrifft die Bespitzelung von Bürgern, die Verfeinerung engmaschiger Überwachungsmethoden, die Sicherheitsüberprüfungen des Flugverkehrs. Im Umgang mit Gefangenen waren die USA weder in Abu Ghraib noch in Guantanamo ein Vorbild bei den Menschenrechten.

11. September derzeit nicht wiederholbar

Daniel Scheschkewitz

Daniel Scheschkewitz

Dennoch hat die internationale Staatengemeinschaft, auch unter dem Druck der Amerikaner, beachtliche Anstrengungen unternommen, um den organisierten Terror wirksam zu bekämpfen, angefangen beim Afghanistan-Krieg gegen die Taliban. Geheimdienstexperten gehen inzwischen davon aus, dass ein Anschlag wie der vom 11. September zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht wiederholbar wäre, weil durch Zugriffserfolge die internationale Al-Kaida-Struktur ständig unter Druck gehalten wird und die Terroristen auch in ihren Rückzugräumen, wie im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet, nur sehr bedingt offen operieren können.

Wiedererstarken der Taliban in Afghanistan

Andere Staaten, wie Libyen, haben sich inzwischen offen vom Terror distanziert und auch in Ländern wie Jemen, Syrien oder Saudi-Arabien konnten die Netzwerke und Finanzierungsbasen der Terror-Netzwerke zumindest vorübergehend ausgetrocknet werden. Es gibt aber auch Rückschläge: In Afghanistan ist seit geraumer Zeit ein Wiedererstarken der Taliban zu beobachten und deren Ausgreifen in den bisher vergleichweise friedlichen Norden. In Algerien melden sich Al-Kaida-Ableger gerade jetzt im Ramadan wieder mit blutigen Anschlägen zu Wort. Vermeintliche Allianzen im Kampf gegen den Terror, wie die mit Russland oder China, haben sich als brüchig erwiesen. Vor allem dann, wenn dort ethnischen Spannungen unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung mit brutaler Militärgewalt begegnet wurde.

Sicherheitsexperten geben außerdem zu bedenken, dass Terroristen noch nie so nahe am Besitz von Atomwaffen waren wie heute. Entweder, weil sie in Reichweite der Restbestände aus dem Arsenal der früheren Sowjetunion gekommen sind. Oder weil ihnen von sogenannten Schurkenstaaten wie Nordkorea atomares Know-how oder Uran zur Anreicherung angeboten wird.

Armut und Perspektivlosigkeiten – Nährboden des Terrorismus

Das allergrößte Problem besteht aber darin, dass mit der Armut und Perspektivlosigkeit großer Bevölkerungsschichten in vielen islamischen Staaten der Schoß für den Terror noch weitgehend fruchtbar ist. Jeder zusätzliche Arbeitslose in Afghanistan, der seine Familie durch Fronarbeit auf den Opiumfeldern ernähren muss, spielt den Taliban in die Hände und untergräbt das ISAF-Engagement. Nur wenn der Westen es schafft, auch die sozialen Rahmenbedingungen in Ländern wie Pakistan oder Afghanistan zu verbessern, kann der Kampf gegen den Terror dauerhaft von Erfolg gekrönt sein. Davon sind wir sieben Jahre später leider noch weit entfernt.