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Politik

Kommentar: Krönungsmesse für Obama

Am Montag (25.08.08) beginnt in Denver der Parteitag der US-Demokraten zur Nominierung ihres Präsidentschaftskandidaten Barack Obama. Zu erwarten ist eine harmonische "Krönungsmesse", meint Daniel Scheschkewitz.

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Ziemlich genau vier Jahre ist es her, da präsentierte sich ein junger Abgeordneter aus Illinois den Delegierten des damaligen demokratischen Nominierungsparteitags als neuer Hoffnungsträger – schon damals pries man ihn auf den Fluren des Parteitagsgeländes als einen "schwarzen Kennedy", tief beeindruckt vom offensichtlichen Charisma und rhetorischen Talent des Barack Obama, der sich nun anschickt für seine Partei das Weiße Haus zu erobern.

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Daniel Scheschkewitz

In Denver wird man den 47–jährigen nun nach einem selbst für amerikanische Verhältnisse superlangen Vorwahlkampf endgültig und ganz offiziell zum Kandidaten für das Präsidentschaftsamt küren. Der Akt der Wahl durch die Delegierten, der nach der Aufgabe Hillary Clintons nur noch eine reine Formsache ist, wird dennoch zu einer Krönungsmesse "made in USA" geraten, bei der Obama und die Parteitagsstrategen alle Register der Inszenierungskunst ziehen werden, um sich und die Partei dem Wahlvolk im besten Licht zu präsentieren.

Harmonie nach hartem Vorwahlkampf

Nach der monatelangen Spaltung der US-Demokraten in zwei scheinbar unversöhnliche Obama- und Clinton-Lager stehen in Denver alle Zeichen auf Harmonie. Deshalb wird man auch noch einmal einen roten Teppich für die unterlegene Kandidatin und die Frauen unter den Delegierten der Partei ausrollen. Hillary Clinton hat durch ihren Wahlkampf den Politikerinnen Amerikas auch noch die letzten Türen geöffnet, auch wenn Obama der Versuchung widerstanden hat, sie doch noch zu seiner Vizepräsidentschaftskandidatin zu machen

Vize-Kandidat Joe Biden

In Joe Biden hat Obama unterdessen einen "running mate" gefunden, der seine größte Schwachstelle - die mangelnde außenpolitische Erfahrung - kompensieren soll. Biden ist ein erfahrener Außen- und Sicherheitspolitiker und seit vielen Jahren führendes Mitglied im Senatsausschuss für Auswärtige Beziehungen.

Aber Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten waren in den USA noch nie wahlentscheidend. Viel wichtiger wird es für Obama sein, sich in den Kernfragen der amerikanischen Politik als Hoffnungsträger mit konkreten Lösungsvorschlägen zu präsentieren.

Wirtschaftskompetenz entscheidend

Wie lässt sich das Portemonee der kleinen Leute, der überschuldeten Konsumenten und Hausbauer auffüllen, wie kann die Abwanderung weiterer Arbeitsplätze in Billiglohnländer und wie die drohende Rezession verhindert werden? Dahinter tritt die lange Zeit dominierende Frage des Wahlkampfes, wann die Masse der amerikanischen Soldaten aus dem Irak zurückkehren wird, inzwischen fast schon zurück. Die harten Fragen des politischen Alltags rücken erst mit den Nominierungsparteitagen ins Zentrum des Wahlkampfes. Dann, wenn die perfekte Show vorüber ist.

Vor allem für die wirtschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahre haben aber weder Obama noch sein Gegenkandidat McCain bisher überzeugende Antworten gefunden. Das könnte insbesondere für Obama noch zum Problem werden. Denn jenseits aller Krönungsfeierlichkeiten wird der farbige Hoffnungsträger nur dann den Thron im Weißen Haus besteigen können, wenn es ihm gelingt, zumindest einen Teil der Unterprivilegierten und ökonomisch Benachteiligten Amerikas im November an die Wahlurnen zu bringen.

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