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Standpunkt

Kommentar: Kolumbien als Zeichen der Hoffnung

Frank-Walter Steinmeier hat für seinen letzten außereuropäischen Besuch als Außenminister bewusst Kolumbien gewählt, meint Andreu Jerez: Der SPD-Politiker wollte in Zeiten zunehmender Konflikte ein Zeichen setzen.

Kolumbien Außenminister Steinmeier in der Entwaffnungszone 'La Guajira' (picture-alliance/dpa /B. von Jutrczenka)

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier besucht die Entwaffnungszone "La Guajira"

"Kolumbien ist ein Beispiel dafür, dass diplomatische Anstrengungen sich lohnen. Dort wurde bewiesen, dass mit Mut, Entschlossenheit und Kompromissfähigkeit trotz eines jahrzehntelangen Bürgerkrieges Frieden geschaffen werden kann. Das ist nicht nur für die Kolumbianerinnen und Kolumbianer, sondern für die ganze Region ein Zeichen der Hoffnung." Mit diesen Worten brach der deutsche Außenminister zu seinem Blitzbesuch in Kolumbien auf.

Friedensvertrag als Botschaft

Dass Frank-Walter Steinmeier das südamerikanische Land für seine letzte außereuropäische Reise als Bundesaußenminister wählte, bevor er am 12. Februar aller Voraussicht nach zum nächsten deutschen Bundespräsidenten gewählt werden wird, war sicherlich kein Zufall. Hinter dem Staatsbesuchen stehen zwei wichtige Gründe: In einer Zeit, in der die Weichen der internationalen Politik mehr auf Konfrontation als auf Kooperation stehen, möchte Steinmeier, dass der kolumbianische Friedensvertrag eine Botschaft an die ganze Welt wird. Während seines Besuches, der weniger als 24 Stunden dauerte, fand Steinmeier Zeit, um eines der im Friedensvertrag vorgesehenen Entwaffnungs- und Demobilisierungszentren der FARC-Rebellen zu besuchen.

Kommentatorenfoto Porträt Andreu Jerez Provisorisch

DW-Korrespondent Andreu Jerez

Daneben eröffnet Kolumbien mit einem relativ stabilen Friedensprozess enorme wirschaftliche Möglichkeiten für deutsche Unternehmen. Bereits heute ist Deutschland wichtigster Handelspartner Kolumbiens innerhalb der Europäischen Union. Ende des Monats will auch französische Staatspräsident François Hollande Kolumbien besuchen. Das zeigt das wachsende Interesse der großen europäischen Wirtschaftsmächte an dem Land nach dem Ende des Bürgerkriegs.

Frieden in Kolumbien von vielen Seiten bedroht

Der Friedensvertrag, unterzeichnet von der Regierung und der FARC-Guerilla, garantiert allerdings noch lange nicht Frieden in Kolumbien. Dieser ist vielmehr von vielen Seiten bedroht: Die ultrarechten Paramilitärs, eine möglichen Spaltung der FARC-Guerilla sowie die Versuche von Teilen der Opposition, aus dem Scheitern des Friedensprozesses politisches Kapital zu schlagen, sind nur einige Beispiele. Darüber hinaus ist die zweite Guerilla im Land, die Nationale Befreiungsarmee (ELN), trotz der Sondierungsgespräche mit der Regierung von Juan Manuel Santos für einen Friedensvertrag, weiterhin aktiv.

Und Kolumbien wird auch weiter unter struktureller Gewalt leiden, hervorgerufen durch den langjährigen und komplizierten Konflikt im Land. Ebenso wird der massive Drogenhandel weitergehen. Die Angriffe auf Menschenrechtsaktivisten nehmen trotz des Friedensvertrages zu. Weitere Probleme sind die Kluft zwischen ländlichen und urbanen Räumen sowie eine große soziale Ungleichheit - eines der großen Übel der gesamten Region.

Es gibt viele Faktoren, die den Erfolg des Friedensvertrages gefährden, der das Ende eines mehr als fünf Jahrzehnte langen Bürgerkrieges markiert. Dennoch ist es unbestreitbar: Die Friedensbemühungen in Kolumbien sind ein Zeichen der Hoffnung für den Rest der Welt.

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