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Fußball

Kommentar: Klopps Reifeprüfung

Fünf Niederlagen in acht Bundesligaspielen. Nur noch zwei Punkte vor den Abstiegsrängen: Der BVB steckt in einer Krise. Nun ist ein besonnener Trainer Klopp gefragt, findet DW-Sportredakteurin Olivia Gerstenberger.

Wer Jürgen Klopp über 90 Minuten beim Auswärtsspiel in Köln beobachtet hat, konnte eine ganze Bandbreite an Emotionen erleben: Kopfschütteln bei den vielen einfachen Fehlern seiner Mannschaft. Unbändiger Jubel beim Ausgleich. Haareraufen bei den Gegentoren und ungläubiges Staunen ob der Unsicherheiten, die sich vor allem die BVB-Abwehr samt ihrer Weltmeister Weidenfeller und Hummels leistete. Jürgen Klopp hat mit dem BVB große Erfolge gefeiert, wurde Meister, Doublesieger und erreichte das Champions-League-Finale. Nun steckt er mit dem Verein in der größten Krise seit seinem Amtsantritt vor sechs Jahren. Seine Mannschaft habe Fußball gespielt, "der absolut keinen Sinn macht." Ein Offenbarungseid, könnte man meinen. Vielleicht aber auch die Erkenntnis, dass beim BVB momentan alles anders ist als sonst.

Jürgen Klopp kennt schwierige Situationen aus seiner Trainerstation in Mainz, doch seine Spieler nicht. Sie sind erfolgsverwöhnt durch die letzten Jahre, in denen vieles gut gelaufen ist. Nun scheinen die hoch gesteckten Saisonziele plötzlich meilenweit entfernt: 13 Punkte Rückstand auf den Primus FC Bayern - die Meisterschaft muss man realistischerweise schon jetzt abhaken. Doch auch die begehrten Fleischtöpfe der Champions League sind in weiter Ferne. Und hierin liegt die Gefahr: Sollte der BVB die Qualifikation für die Königsklasse verpassen, entgeht dem Club sehr viel Geld und der Abstand zur Konkurrenz aus Süddeutschland wird wieder größer. Das ist vielleicht schön für die Bayern, aber schlecht für die Liga.

Der FC Bayern ist nicht Schuld

Olivia Gerstenberger (DW)

Olivia Gerstenberger aus der DW-Sportredaktion

Einfach wäre es also, alles auf den großen Rivalen aus München zu schieben: Schließlich hat man den Dortmundern mit Götze und Lewandowski zwei wichtige Spieler weggekauft, auch auf Reus scheint der FC Bayern ein Auge geworfen zu haben. Doch so leicht ist das nicht. Sicher, die Lücke, die Lewandowski hinterließ, ist bisher nicht geschlossen. Man könnte also die Einkaufspolitik kritisieren: Viel Geld für wenig Effektivität. Der teure Neuzugang Immobile ist noch nicht wirklich angekommen, hängt vorne oft in der Luft, Ramos hat auch Steigerungspotenzial und Rückkehrer Kagawa agiert ebenfalls noch recht ideenlos.

Während der FC Bayern neben seinen Weltmeistern noch zahlreiche weitere Hochkaräter im breiten Kader zur Verfügung hat, scheint das BVB-Aufgebot geschwächt zu sein. In der Bundesliga offenbart Dortmund unleugbare Schwächen, die nicht nur auf die immense Verletztenmisere zurückzuführen sind: Konzentrationsmängel, katastrophale Fehler im Aufbauspiel, individuelle Fehler. Die Verantwortlichen schieben so etwas gerade nach einer Weltmeisterschaft gern auf den übervollen Terminplan. Klar ist es schwer, in englischen oder Länderspielwochen Rhythmus, Automatismen und gleichzeitig ausreichende Regeneration zu erlangen. Doch dieses Schicksal trifft auch die Konkurrenz. Und gegen Köln gaben immerhin die zuletzt Verletzten Ilkay Gündogan, Henrich Mchitarjan und Marco Reus ihre Comebacks.

Auch wenn mit nur sieben Punkten aus acht Spielen der Vorsprung zum Tabellenende weiter schrumpft, wird der BVB mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Die sehr ordentlichen Auftritte in der Champions League haben bewiesen, welches Potenzial im Kader steckt. Dort klappt es doch! Klopps Aufgabe ist es nun, den Großteil der Motivation, Sorgfalt und (Mindest-)Konzentration aus der Königsklasse in den grauen Bundesliga-Alltag zu transportieren. Das erfordert Demut, Geduld und Rückendeckung aus dem Verein. Klopp sollte sich in dieser Phase auf das besinnen, was ihn zu einem guten Trainer macht: Sein Fachwissen, seine Akribie. Vielleicht ist diese Phase Klopps größte Herausforderung als Trainer von Borussia Dortmund.