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Wissen & Umwelt

Kommentar: Klimapolitik muss die Weltbühne nutzen

Mit dem UN-Gipfel in New York rückt der Klimaschutz wieder ins Rampenlicht. Politik und Wirtschaft müssen die Plattform nutzen und zeigen, dass und wie sie den Klimawandel aktiv bekämpfen wollen, meint Irene Quaile.

Rund um die Welt haben Nichtregierungsorganisationen und normale Menschen den Aufruf angenommen, die Dringlichkeit der Angelegenheit verstanden. Auf den Straßen von New York, London, Berlin und Melbourne demonstrierten am Wochenende Hunderttausende, dass sie die Gefahren des Klimawandels erkannt haben und von ihren Regierungen wirksames Handeln erwarten.

Mit seinem Aufruf zur Teilnahme an dem Sondergipfel außerhalb der üblichen Verhandlungsrunden demonstriert UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Bedeutung der Klimapolitik für die Zukunft. Für die Zukunft einer noch schneller als erwartet wachsenden Weltbevölkerung auf einem Planeten, dessen Ressourcen wir viel zu schnell aufbrauchen.

Irene Quaile-Kersken (Foto: DW)

DW-Klimakorrespondentin Irene Quaile

Großauftritt für die Klimapolitik

Der UN-Generalsekretär hat den Klimawandel zumindest für einige öffentlichkeitswirksame Tage aus den dunklen Verhandlungsräumen herausgeholt , wo um kleinste Details von Vertragstexten gerungen wird, und ihn auf die Bühne der Weltöffentlichkeit im UN-Hauptquartier in New York gebracht. Die Politik und die Wirtschaft sollen gemeinsam zeigen, dass sie die Gefahr für das Weltklima verstanden haben, dass es Lösungen gibt, und dass sie bereit sind, diese umzusetzen - und zwar jetzt!

Warnzeichen für den dringenden Handlungsbedarf gibt es mehr als genug. Die neuesten Zahlen zeigen, dass wir immer mehr CO2 in die Atmosphäre pusten. Der jüngste Bericht des Weltklimarats war erschreckend: Das Zwei-Grad Ziel ist fast außer Reichweite. Dieser Sommer war der wärmste seit Anfang der Wetteraufzeichnung 1880.

Folgen des Klimawandels sind absehbar

Experten warnen vor Wetterextremen, Hungersnöten, Wasserknappheit, steigenden Meeren. Gerade in den ärmsten Regionen der Welt verlieren Menschen ihre Lebensgrundlage. Konflikte um knappe Ressourcen sowie Flüchtlingswellen sind programmiert.

Eine Abkehr von fossilen Energien und die Weiterentwicklung erneuerbarer Quellen sind unabdingbar, um den CO2-Austoß zu reduzieren. Die Technologie ist vorhanden. Für die Umsetzung einer kompletten Energiewende fehlt laut einer in diesen Tagen veröffentlichen Studie nur noch der politische Wille. Der darf sich durch den Druck der fossilen Energiewirtschaft nicht bremsen lassen.

Verpasste Chance für Merkel

120 Regierungschefs sind dem Aufruf des UN-Chefs gefolgt. Deutschlands "Klima-Kanzlerin" ist nicht dabei. Nicht nur die Nichtregierungsorganisationen halten das für einen Fehler. Deutschland hat Probleme, seine ehrgeizigen Klimaziele einzuhalten. Die Energiewende hat sich verlangsamt. Hier verpasst das Land eine wichtige Chance, sich wieder in die Reihe der Klima-Vorzeigeländer einzureihen. Unter den großen Industrienationen gibt es nur sehr wenige, die nicht von ihren Staats- oder Regierungschefs vertreten werden. Dazu gehören vor allem Bremser beim Klimaschutz wie Russland, Australien oder Kanada .

Ban Ki Moon hat die politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen gebeten,"das politische Momentum zu beschleunigen". Er erhofft sich von diesem Gipfel "kühne Bekanntmachungungen" von Klimaschutzinitiativen. Vor allem geht es aber bei diesem Treffen um einen öffentlich wirksamen Hilferuf für das Weltklima.

UN-Generalsekretär hat die Bühne bereitet

Ban Ki Moon bietet den Mächtigen der Welt eine Gelegenheit, sich international als klimafreundlich zu profilieren. Auf seiner New Yorker Bühne können sie zeigen, dass sie das Gebot der Stunde verstanden haben und endlich ernst machen wollen mit dem Klimaschutz.

Es gibt keinen Plan B für das Weltklima, weil wir keinen Planeten B haben, sagte Ban Ki Moon im Vorfeld des Gipfels. Die Augen der Weltöffentlichkeit sind nach New York gerichtet. Sie braucht dringend ein eindrucksvolles Zeichen, dass "business as usual" zur Klimakatastrophe führen wird und Politik und Wirtschaft bereit sind, das zu verhindern!

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