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Welt

Kommentar: Klimakonferenz darf nicht Opfer des Terrors werden

Das verwundete Paris ist Gastgeber der Weltklimakonferenz. Die muss auch angesichts möglicher Terrorgefahr unbedingt stattfinden - mit allem was dazu gehört, meint DW-Redakteurin Sonya Diehn.

In wenigen Tagen werden Menschen aus aller Welt in Paris zur Klimakonferenz zusammenkommen. Das Gipfeltreffen gilt als letzte Chance für die Staats- und Regierungschefs, ein wirksames Klimaschutzabkommen zu schließen, das das Kyoto-Protokoll von 1997 ersetzen kann.

Tatsächlich ist Bewegung in die Klimadebatte gekommen: Führende Politiker haben signalisiert, dass sie mehr denn je entschlossen sind, ein starkes Abkommen zustandezubringen. Unternehmen weltweit versuchen mit konkreten Maßnahmen, ihren Ausstoß an Treibhausgasen zu verringern, während immer mehr Finanzinstitute Investitionen aus fossilen Energien abziehen.

Und am 29. November, am Tag vor Beginn der Verhandlungen, wollten Menschen auf der ganzen Welt auf die Straße gehen und einen so noch nie dagewesenen Klima-Aktionstag begehen. Allein in Paris waren für diesen Tag bisher eine Million Menschen zu einem Marsch für mehr Klimaschutz erwartet worden.

Der Terror hat alles verändert

Doch die Anschläge von Paris haben alles verändert. Am Montag sagte der französische Ministerpräsident Manuel Valls, "zweifellos" würden Konzerte und andere "gesellige" Veranstaltungen abgesagt.

Die Organisatoren des Welt-Klima-Marsches haben schriftlich angekündigt, sie würden nun gemeinsam überlegen, wie sie weiter vorgehen wollen. Falls der Ausnahmezustand bis Ende November in Kraft bleibt, so heißt es in verschiedenen Quellen, würden größere Protestaktionen abgesagt.

Sonya Angelica Diehn (Foto: DW/M. Müller)

DW-Redakteurin Sonya Diehn

Immerhin werden sich die Staats- und Regierungschefs nicht vom Verhandeln abhalten lassen: Der amerikanische Außenminister John Kerry sagte am Dienstag, "die verabscheuungswürdigen, feigen Terrorakte" würden keinen Einfluss auf die Klimaverhandlungen in Paris haben. Doch schon am Mittwoch haben die französischen Behörden die Genehmigung für die größten, für den 29. November und 12. Dezember geplanten öffentlichen Demonstrationen widerrufen.

Es geht um viel

Es steht bei einem wirkungsvollen Klimaabkommen viel auf dem Spiel. Vergangene Woche hieß es vom britischen Wetterdienst, der weltweite Temperaturanstieg werde bereits in diesem Jahr ein Grad erreichen - die Hälfte der Zweigradgrenze, die unter Wissenschaftlern als Limit gilt, ab der die Auswirkungen gefährlich werden.

Und nach einem Bericht der Weltorganisation für Meteorologie erreichte der Ausstoß von Treibhausgasen in der Atmosphäre im Jahr 2014 ein Rekordniveau. Wenn man bedenkt, wie groß die Lücke zwischen dem vorhergesagten Treibhausgasausstoß und der nötigen Verringerung ist, um einen Temperaturanstieg von zwei Grad und mehr zu verhindern, bleibt nur noch ein kleines Zeitfenster.

Der Terror darf nicht siegen

Wir können nicht zulassen, dass die Terroristen an dieser Stelle einen Sieg davon tragen: Die Verhandlungen dürfen auf keinen Fall verschoben werden! Es sieht so aus, als sei wenigstens das unwahrscheinlich. Doch selbst wenn nur öffentliche Demonstrationen abgesagt werden, führt das ein Stück weit zu der Art von Gesellschaft, die der so genannte "Islamische Staat" zu errichten versucht.

Natürlich ist es ein logistischer Alptraum, die Sicherheit von einer Million Zivilisten zu gewährleisten. Sicherheit gegen Meinungsfreiheit abzuwägen, ist sehr schwierig. Dass nun doch offenbar die Entscheidung gefallen ist, dass die Öffentlichkeit nicht in großer Zahl ihre Meinung äußern kann, ist dennoch eine große Enttäuschung. Denn wenn man zulässt, dass die Pariser Anschläge die Klimaschutzbewegung bremsen, ist das ein Sieg für die Terroristen.

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