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Kommentare

Kommentar: Keine Wunder, sondern Zeichen

Papst Franziskus hat seine Afrika-Reise beendet. In Kenia, Uganda und der Zentralafrikanischen Republik fängt der Alltag wieder an. Verändert hat sich durch den Besuch nichts und doch war er bedeutsam, meint Daniel Pelz.

Papst Franziskus mitUgandas Präsident Yoweri Museveni

Papst Franziskus (l.) mit Ugandas Präsident Yoweri Museveni

Er hat alles richtig gemacht: den politischen Führern die Leviten gelesen, Nairobis Slumbewohner und die Vertriebenen in der Zentralafrikanischen Republik ins Zentrum der Weltöffentlichkeit gerückt, den Vertretern anderer Religionen seinen Respekt erwiesen. Fünf Tage, drei Länder - Papst Franziskus hat aus seiner Afrika-Reise herausgeholt, was herauszuholen war. Er wollte nicht nur Afrikas Probleme ansprechen, sondern die Herzen der Menschen erreichen. Und das ist ihm geglückt.

Der Papst kann nicht die Welt ändern

Sicher: Wenn die Bewohner des Slumviertels Kangemi morgen aufwachen, dann hat sich nichts geändert: zu wenig Schulen, kein sauberes Trinkwasser, krimineller Banden-Terror, ein Leben in bitterer Armut. Das kann kein Papst ändern. Und das wollte dieser Papst auch nicht.

Pelz Daniel (Foto: DW)

Daniel Pelz, Leiter der DW-Redaktion Englisch für Afrika

Die Grenzen seines Amtes sind dem Papst bewusst. Er wollte keine Wunder wirken, sondern Zeichen setzen. Dabei war es für die Menschen in der Zentralafrikanischen Republik wahrscheinlich schon ein Wunder, dass sich überhaupt ein Papst in ihr Krisenland traut. Und auch in die Slums von Nairobi geht niemand außer den Bewohnern freiwillig. Durch die Besuche wollte der Papst vor allem zeigen: Diese Menschen gehören dazu, niemand darf ihr Leiden ignorieren.

Der Papst täuschte den Menschen nicht vor, ihr Heilsbringer zu sein. Stattdessen rüttelte er sie mit klaren Worten wach: ob Korruption, Selbstbereicherung der Eliten, Gewalt gegen Frauen, Umweltzerstörung oder ethnische Gewalt - Ihr müsst eure Probleme selber lösen! Dies war die Botschaft des Papstes an die Menschen in Kenia, Uganda und der Zentralafrikanischen Republik.

Aufruf zu mehr Selbstbewusstsein

Trotz ihrer Schärfe: Die Botschaft des Papstes kam an. Denn seine zweite war: Ihr könnt eure Probleme selber lösen! Immer wieder zollte Franziskus den Menschen Respekt, lobte den Mut und die Kraft, mit der die Armen um ihr Leben kämpfen. Er war begeistert von dem traditionellen Respekt vor der Natur und der großen Solidarität innerhalb der Familien. So deutlich und zugleich so respektvoll und anerkennend ist noch kein Papst Afrikas Bevölkerung entgegengetreten - und schon gar kein westlicher Staatschef auf Staatsbesuch.

Auch wenn ihn die Menschen bei seinen Messen und öffentlichen Auftritten feierten - Franziskus' Besuch hat auch Diskussionen und Diskurse ausgelöst. In Kenia verzichtete er auf die Fahrt in der Staatskarosse und ließ sich in einem schlichten Honda vom Flughafen zum Präsidenten bringen.

Gier als Triebfeder der Korruption

Seitdem fragen die Menschen öffentlich wieder lauter, warum bestimmte Politiker auf eine Eskorte aus mehreren Fahrzeugen bestehen, auch wenn sie gerade Mal von ihrem Haus zur Arbeit fahren. Und Kenias Zeitungen weisen darauf hin, dass die Tendenz zur Selbstbereicherung, die Gier nicht nur auf die Politik beschränkt ist - und gerade daher eine der Gründe für die grassierende Korruption.

Besser geht es in Afrika durch den Papst-Besuch niemanden. Der Papst hat getan, was er als eine moralische und religiöse Autorität kann: hinsehen, aufrütteln, Probleme benennen. Menschen bestärken, dass sie handlungsfähig sind.

Handeln müssen jetzt in erster Linie die, die politischen und wirtschaftlichen Einfluss haben. Alle anderen Menschen aber eben auch. Ob es ihnen gelingt, die Probleme Kenias, Ugandas und der Zentralafrikanischen Republik zu lösen, liegt nicht in der Hand des Papstes.

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