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Wirtschaft

Kommentar: Kein Posten für einen Optimisten

Das "Ergebnis" des Kopenhagener Klima-Gipfels hat er noch pflichtgemäß verteidigt. Jetzt ist der oberste Klimaanwalt der UN, Yvo de Boer, aber enttäuscht zurückgetreten. Irene Quaile kommentiert.

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Wer kann es ihm übel nehmen? Der geborene Optimist, der ewige Diplomat, der Mittler, der Moderator – Yvo de Boer hat als oberster Klimaschützer der Vereinten Nationen das Handtuch geworfen. Er ist zu sehr der loyale Diener der UNO – und vielleicht auch zu sehr der Sache verpflichtet -, als dass er es zugeben würde. Aber es wird kaum jemand bezweifeln, dass das Debakel des Kopenhagener-Klimagipfels Yvo de Boer den Rest gegeben hat.

Nicht frei von Verantwortung

Vor der Kopenhagener Konferenz hatte der UN-Klimachef auf einen echten Durchbruch, auf ein umfassendes Abkommen gedrängt, verbunden mit der Warnung vor den verheerenden Auswirkungen des Klimawandels. Natürlich muss es eine bittere Enttäuschung gewesen sein, nach vier Jahren auf dem "heißen" Sitz im Klimasekretariat, in der Endphase der Kopenhagener Konferenz auf eine Zuschauerrolle beschränkt zu werden, während die USA und China ihre Machtkämpfe austrugen und nur ein Minimalkonsens zustande kam, eine „Vereinbarung“, die weder von allen angenommen wurde noch für irgend jemanden rechtlich verbindlich ist.

Auf der anderen Seite kann der Leiter des Klimasekretariats sich nicht ganz von der Verantwortung für die chaotischen Zustände und mageren Ergebnisse von Kopenhagen frei sprechen. Nicht nur das Gastgeberland Dänemark, sondern auch das UN-Klimasekretariat war für die Vorbereitung und Durchführung und somit auch für das Scheitern der Klimakonferenz verantwortlich. Aber diesen Abschluss hatte der langjährige Unterhändler und engagierte Klimaschützer nicht verdient.

Rücktritt keine Überraschung

Dass Yvo de Boer seinen Posten aufgibt, ist nicht wirklich überraschend. Überraschend ist eher, dass er dem Druck so lange standgehalten hat. Als vor zwei Jahren die Konferenz von Bali zu scheitern drohte, verließ de Boer weinend den Saal. Viele prophezeiten danach seinen Abgang. Aber Bali führte doch noch zu Ergebnissen und de Boer fungierte weiter als „menschliches Gesicht“ der Klimapolitik.

Jetzt ist der Verhandlungsprozess – das Tauziehen um nationale politische Vorteile, das ewige Taktieren im globalen Machtspiel - an einem echten Scheidepunkt. Die Wirtschaftskrise, die innenpolitischen Widerstände, die den einstigen Hoffnungsträger Barack Obama in den internationalen Klimaverhandlungen lähmen, Chinas wachsende Stärke mit dem Drang nach rascher Entwicklung und der Ablehnung jeder internationalen Kontrolle: all dies schmälert die Aussicht auf ein bindendes Nachfolge-Abkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll bei der nächsten großen Klimakonferenz in Mexiko zum Jahresende. Und das Zeitfenster, um den Ausstoß der Treibhausgase zu verringern und den Anstieg der Welttemperatur zu begrenzen, wird, wie de Boer in seiner Pressekonferenz nach Kopenhagen betonte, immer kleiner.

Trotz seiner Enttäuschung nach dem Kopenhagener Fiasko versuchte der UN-Klimachef in der Öffentlichkeit zuerst noch, das Ergebnis zu verteidigen. Das war auch sein Job. Dass die UNO als Forum für die globalen Verhandlungen in Frage gestellt wurde, dürfte ihn hart getroffen haben. Jetzt hat er für sich die Konsequenzen gezogen – und will auf der Ebene der Wirtschaft versuchen, Lösungen herbeizuführen. Um die undankbare Aufgabe, dafür die politischen Rahmenbedingungen zu schaffen, müssen sich jetzt andere kümmern.