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Kommentar: Kein Befreiungsschlag für Clinton

Auch wenn das FBI empfiehlt, auf eine Anklage zu verzichten, hat Clinton ihre E-Mail-Affäre noch lange nicht ausgestanden. Vor allem der Vorwurf der Leichtsinnigkeit wird ein Problem für sie werden, meint Ines Pohl.

Es sollte der Tag der Befreiung für Hillary Clinton werden. Der Tag, an dem das FBI nach monatelanger Untersuchung endlich, endlich bekannt gibt, dass die amerikanische Bundespolizei dem Justizministerium nicht empfiehlt, die ehemalige Außenministerin anzuklagen. Zwar ist FBI-Direktor James Comey am Ende eines außergewöhnlich ausführlichen Statements genau zu diesem Schluss gekommen. Allerdings wird Clinton die Affäre im Wahlkampf so schnell dennoch nicht los werden. Denn es wird vor allem seine messerscharfe Kritik sein, an die sich die Menschen erinnern - und die von ihren Gegnern mit gutem Recht in den kommenden Monaten bis zur Wahl immer und immer wieder ausgeschlachtet werden wird.

Es ist die Feststellung des FBI-Untersuchungsausschusses, dass Clinton und ihr Team "extrem sorglos" gehandelt hätten und "jeder in einer verantwortlichen Position hätte besser wissen müssen, dass man sensible E-Mails nicht über unterschiedliche private E-Mail-Konten versenden darf", die Hillary Clinton noch ernsthaft gefährlich werden kann. Denn damit hat sie ihren vermeintlich größten Pluspunkt gegenüber Donald Trump deutlich geschwächt: Dass nämlich ihre Erfahrungen sie zu einer besseren Präsidentin machen. Was hilft alle Erfahrung, wann man am Ende besorgniserregend sorglos handelt?

Gelten für die Clintons andere Regeln?

Für die Clinton Gegner aber dürfte der Punkt noch schwerer wiegen, dass die Clintons grundsätzlich nach ihren eigenen Regeln spielen, und damit auch immer wieder ungestraft davon kommen. Für viele ist genau das ein weiterer Beleg dafür, wie ungerecht das politische Washington ist. Mit typischem Gewinnerinstinkt hat Donald Trump dieses Gefühl in seiner ersten Reaktion auf den Punkt gebracht: "Andere sind schon für viel weniger verurteilt worden. Sehr, sehr unfair."

Strategen mögen gedacht haben, es sei schlau, dass Präsident Obama an genau dem Tag der Bekanntgabe des FBI-Berichts an Hillary Clintons Seite in ihren Wahlkampf einsteigt. Das genaue Gegenteil könnte jetzt der Fall sein: Die Bilder der beiden werden für viele ein weiterer Beweis dafür sein, wie eng die Mächtigen in Washington zusammenarbeiten - vom FBI über das Justizministerium bis hin zum Präsidenten selbst. Und dass eben nur ein echter, unabhängiger, mutiger und starker Außenseiter mit diesem korrupten System aufräumen kann. Zumindest in seiner Selbstwahrnehmung ist Donald Trump der einzige, auf den das zutrifft.

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