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Sport

Kommentar: Joachim Löw und das Streben nach Perfektion

Auch wenn es am Ende holprig wurde, ist es eins der besten Jahre für die ungeschlagene deutsche Nationalelf. Wie kann der Bundestrainer nun Gutes noch besser machen? Mit dem Versuch des Unmöglichen, meint Joscha Weber.

Mit einem zufriedenen Lächeln geht Joachim Löw vom Rasen, nickt freundlich ein paar Journalisten zu, schüttelt Hände. Wenige Sekunden zuvor hat ihm der eingewechselte Lars Stindl die Bilanz gerettet: Mit dem 2:2 bleibt die deutsche Nationalmannschaft ungeschlagen in 2017. Joachim Löw weiß, dass dieser Fakt den über weite Strecken mauen Kick gegen Vize-Europameister Frankreich schnell überstrahlen wird. Confed Cup gewonnen, keine Niederlage kassiert, viele Spieler für die WM getestet. Mission 2017 accomplished.

Weber Joscha Kommentarbild

DW-Sportredakteur Joscha Weber

Am Ende eines erfolgreichen Jahres heißt es, Bilanz ziehen und den Blick nach vorne richten. Dafür ist nun mehr als genug Zeit: Ein knappes halbes Jahr wird die deutsche Nationalelf kein Spiel bestreiten. Erst im März gegen Spanien und Brasilien kommt die Auswahl wieder zusammen. Zeit, das Gesehene im Vor-WM-Jahr sacken zu lassen. Das DFB-Team zeigte sich in den meisten Spielen souverän und vor allem diszipliniert. Auch wenn ein großes Turnier fehlte, gelang es dem Bundestrainer die Spannung in der Mannschaft aufrecht zu erhalten. Sei es durch den Einsatz junger, hungriger Spieler beim Confed Cup, sei es durch die Wieder-Integration von Rückkehrern nach Verletzungspausen. Joachim Löw hat ein feines Gespür dafür entwickelt, wie er gleichzeitig Harmonie und auch Konkurrenz im Team schürt. Dies ist fernab von taktischen Finessen und der individuellen Klasse seiner Spieler der wichtigste Grund für seinen dauerhaften Erfolg.

Ein Jahr des Ausprobierens

Und so ist Deutschland seit nunmehr 21 Spielen ungeschlagen. Die letzte Niederlage datiert vom 7. Juli 2016 - die 0:2-Pleite im Halbfinale der EM gegen Gastgeber Frankreich. Seitdem zeigte die DFB-Elf konstant guten, oft auch sehr guten Fußball. Trotz vieler Personal-Rochaden. 2017 war das Jahr des Ausprobierens und Auslotens: ob 3-4-3 oder 4-2-3-1, ob mit echtem Stürmer oder hängenden Spitzen, ob mit jungen oder erfahrenen Spielern - all das diente letztlich einem Ziel: wieder einen Weltmeister-Kader zu formen. Der Rohbau dafür steht. Trotz der spielerisch wenig inspirierten Auftritte zum Jahresende gegen England und Frankreich überwiegen auf deutscher Seite 2017 die positiven Erkenntnisse. Das "Titelchen" beim Confed Cup zeigte die beeindruckende Tiefe im Kader der DFB-Elf und die mehr als einjährige Phase ohne Niederlage ist ein Zeugnis der Stabilität des Teams.

Was also fehlt dem Team noch auf dem Weg zu einer möglichen Titelverteidigung? Eigentlich gar nicht mehr so viel. Eine stabilere Innenverteidigung, wieder mehr Passsicherheit im Mittelfeld, ein eingespieltes Sturm-Gespann und, ach ja, die etatmäßige Nummer 1, Manuel Neuer. Alle Zutaten sind vorhanden. Joachim Löw muss sie nur zusammenbringen. Und von einer weiteren Verletzungsserie verschont bleiben.

Wer sehr gut ist, muss perfekt werden wollen

Der Weg zum Erfolg führt den Bundestrainer zu einer unmöglichen Aufgabe: Wer sehr Gutes verbessern will, muss die Perfektion zum Maßstab erheben. Wohlwissend, dass es diesen Zustand im Fußball nicht gibt. Fußball ist ein Spiel von Menschen, unkalkulierbar, Fehler sind ein fester Bestandteil. Auch genialen Passgebern wie Toni Kroos misslingt mal ein Zuspiel, auch einem Manuel Neuer wird 2018 ein Ball durch die Hände rutschen. Dieses dennoch verhindern zu wollen, dem Zustand der Perfektion nahe zu kommen, wird die nächste Mission des Bundestrainers sein. Eine unmögliche zwar und dennoch könnte er sie tatsächlich schaffen.

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