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Kommentare

Kommentar: Ist der Wille weg?

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg - diesen Kernsatz zur Griechenland-Krise hat Bundeskanzlerin Merkel durch einen älteren Spruch ersetzt: Scheitert der Euro, scheitert Europa. Angemessener, findet Dagmar Engel.

Wo ist die mächtigste Frau Europas zu Beginn dieser Woche der Entscheidung? Jedenfalls nicht auf den Titelseiten der griechischen Zeitungen. Angela Merkel hat es geschafft, dass sie nicht als die Böse hingestellt werden kann, mit Pickelhaube oder Nazi-Uniform wie vor ein paar Jahren noch, auf einem der vielen Höhepunkte der schier unendlich scheinenden Griechenlandkrise. Die Signale, die die Bundeskanzlerin sendet, sind eindeutig: Wir, die Deutschen, ich, die deutsche Regierungschefin, sind nicht die, die über Wohl und Wehe entscheiden. Deutschland ist einer von 28 EU-Staaten, einer von 19 der Eurozone. In der Europäischen Union entscheiden nicht Einzelne, sondern alle.

Dagmar Engel, Leiterin des Hauptstadtstudios (Foto: DW)

Dagmar Engel, Leiterin des Hauptstadtstudios

Angela Merkel feiert am Beginn dieser entscheidenden Woche den 70. Geburtstag ihrer Partei, der CDU. "Europa lebt von der Fähigkeit, Kompromisse zu finden", sagt die Kanzlerin in ihrer Festrede. Und davon, dass die Regeln eingehalten würden, Regeln wie "Solidarität und Eigenverantwortung". Verraten wir unsere Regeln, verraten wir unsere Werte - das ist eine Grundüberzeugung der Bundeskanzlerin.

Beifall von unerwarteter Seite

Für die Vorsicht, mit der sie ihre Führungsrolle in der Griechenlandkrise ausübte, bekam Angela Merkel Beifall von unerwarteter Seite: Helmut Schmidt, sozialdemokratischer Bundeskanzler a.D., bescheinigte seiner Nachfolgerin in der vergangenen Woche, er sei beeindruckt: In dem Augenblick nämlich, in dem Deutschland Führung ausübe, erinnerten sich alle wieder an die Nazi-Zeit, in der Folge würden die europäischen Regierungen sich gegen Deutschland stellen.

Schmidt ist 97 Jahre alt und darf als altersweise und Mann von Erfahrung gelten. Aber einiges hat sich geändert. Die Erwartungen an Deutschland sind inzwischen andere. Wer sich in der Welt und ihren Medien umschaut, begegnet immer wieder der Frage: Wo ist Angela Merkel? Bundespräsident, Verteidigungsministerin und Außenminister reden seit anderthalb Jahren darüber, dass Deutschland international mehr Verantwortung übernehmen soll. Populär ist das nicht. Entsprechend war Angela Merkel bei der Frage nach der deutschen Rolle in der Welt und den Antworten darauf - nicht dabei.

Hier steht Angela Merkel

Am Beginn dieser entscheidenden Woche aber holt Angela Merkel einen Satz wieder heraus, an den sie lange nicht gern erinnert werden wollte: Scheitert der Euro, scheitert Europa. Damit legt sie sich nicht fest, zu welchem Zeitpunkt der Euro als gescheitert zu gelten hat oder ob Griechenland darauf überhaupt einen Einfluss hat. Aber es ist ein großer Satz, einer, für den es sich lohnen würde, langsam aus der Deckung zu kommen und sich zu zeigen. Zu zeigen: Hier steht Angela Merkel, hier steht die Regierungschefin des wirtschaftlich stärksten und bevölkerungsreichsten Landes der EU, die alles tun wird, damit Europa nicht scheitert - gemeinsam mit den Partnern, aber notfalls auch in einer nicht nur sympathischen Führungsrolle.

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