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Wissen & Umwelt

Kommentar: ISS-Rückzug Russlands ist Antwort auf US-Sanktionen

Die Ukraine-Krise ist im Weltraum angekommen: Russland hat angekündigt, die Zusammenarbeit auf der internationalen Raumstation ISS vorzeitig zu beenden. Keine große Überraschung, meint Judith Hartl.

Ob ich überrascht bin, dass Russland aus dem ISS-Projekt frühzeitig aussteigen möchte? Nein. Ehrlich gesagt nicht. Ich habe es erwartet. Eigentlich jeden Tag, nachdem die US-amerikanische Raumfahrtagentur NASA Anfang April wegen der Ukraine-Krise die Zusammenarbeit mit Russland weitestgehend ausgesetzt hat. Mit einer Ausnahme: Der gemeinsame Betrieb der ISS solle weitergehen. Natürlich. Hätte man auch hier die Zusammenarbeit aufgekündigt, hätte man die Raumstation gleich verschrotten können. Denn ohne die Russen kommt niemand mehr hin.

Seit die USA vor drei Jahren ihre Space Shuttles eingestellt und ins Museum verfrachtet haben, bringen nur noch russische Sojus-Raketen Menschen zur Internationalen Raumstation. Allerfrühestens 2017 wird die NASA wieder über eigene Raumfahrzeuge verfügen. Dass Russland diese Abhängigkeit nutzt, um die USA daran zu erinnern, dass ohne ihre Technik amerikanische und europäische Astronauten in Rente gehen können, ist nur allzu verständlich.

Wissenschaftsredakteurin Judith Hartl

Wissenschaftsredakteurin Judith Hartl

Aber mehr als Säbelrasseln ist es nicht. Denn bis 2020 bleibt erst einmal alles, wie es ist. Ein Donnerschlag wäre es gewesen, wenn Russland die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung aufgelöst hätte. Aber das wäre neben enormen weltraumpolitischen Verwerfungen - die auch Russland nicht möchte - ein großer finanzieller Schaden. Immerhin zahlt die NASA an Russland etwa 70 Millionen US-Dollar für jeden Mitflug eines ihrer Astronauten in einer Sojus-Rakete.

Die Ankündigung, dass 2020 Schluss sein soll, lässt also reichlich Spielraum. Bis dahin kann viel passieren. Denn im Grunde wissen die wichtigsten Weltraumnationen, wie sehr sie aufeinander angewiesen sind, wenn sie in der Raumfahrt erfolgreich sein wollen. Bemannte Missionen, Flüge zum Mars, Weltraumstationen und -teleskope - das alles ist unbeschreiblich teuer. Kein Land der Welt kann und möchte sich alleine milliardenteure Ausflüge in den Orbit leisten.

Seit vielen Jahren sind die USA, Europa, Russland, Kanada und Japan bei der Weltraumforschung eng und erfolgreich miteinander verzahnt. Die Zusammenarbeit der Astronauten und Kosmonauten auf der ISS ist hervorragend, die Stimmung in der Mannschaft harmonisch. Das bestätigt auch der deutsche Astronaut Alexander Gerst immer wieder, der voraussichtlich am 28. Mai gemeinsam mit dem Russen Maxim Surajew und dem US-Amerikaner Reid Wiseman für sechs Monate zur ISS fliegen wird.

Hoffentlich bleibt das so und hoffentlich belastet das Muskelspiel auf der Erde nicht doch irgendwann das gemeinsame Arbeiten und Forschen auf der Raumstation. Aber die Chancen stehen recht gut. Denn sogar in den Hochzeiten des Kalten Kriegs haben die Sowjetunion und die USA - im Weltraum - friedlich zusammengearbeitet.

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