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Nahost

Kommentar: Israels langer Arm? Zum Mord am Hisbollah-Führer

Der zweite Mann der libanesischen Hisbollah ist ermordet worden. Eine "gezielte Tötung" durch die Israelis? Nicht unwahrscheinlich, meint Peter Phillip.

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Terroristen würden jetzt sicher Israel dafür verantwortlich machen, meinte Israels Ministerpräsident Ehud Olmert in einer Reaktion auf die Ermordung des "zweiten Mannes" der libanesischen "Hisbollah", Imad Mughniyeh. Aber man muss nicht Terrorist, noch nicht einmal ein Gegner Israels sein, um dieses Land an vorderster Stelle der Tat zu verdächtigen:

Peter Philipp

Peter Philipp

In den zurückliegenden Jahrzehnten ist die Liste solcher Anschläge sehr lang geworden, bei denen Israel gezielt Gegner ausschaltete und ermordete, die für Anschläge und Überfälle auf Israel und Israelis verantwortlich waren, deren man anders nicht habhaft werden konnte. Nach dem Überfall auf die israelische Olympia-Mannschaft in München 1972 ließ die damalige Ministerpräsidentin Golda Meir die Hintermänner jagen und ermorden, Israels Verteidigungsminister Ehud Barak war einst Anführer einer Kommando-Aktion gegen PLO-Aktivisten in Beirut, knapp der Ermordung entging 1997 in Amman "Hamas" Führer Khaled Maschal und in der Westbank und im Gazastreifen sind in den letzten Jahren "gezielte Tötungen" von militanten Gegnern - so der offizielle israelische Sprachgebrauch - an der Tagesordnung.

Frieden haben "gezielte Tötungen" nicht gebracht


Ruhe und Frieden hat diese Politik Israel nicht gebracht. Manchmal lösten solche Morde im Gegenteil sogar erst eine noch heftigere Reaktion der Gegenseite aus. Wie im Fall Mughniyehs: Sein Vorgänger war auch von Israel ermordet worden und Mughniyeh steigerte die Gewaltakte gegen Israel und die USA um ein Vielfaches.

In den meisten Fällen schwieg Israel zu den Morden. Man wollte und will die Gegenseite weiter verunsichern, will aber auch unnötige außenpolitische Komplikationen vermeiden. Besonders wenn solche Morde in einem nicht befeindeten Land stattfanden. Aber selbst im vorliegenden Fall kann Israel nicht daran gelegen sein, sich der Tat zu brüsten. Der Mord fand in Damaskus statt, die Rolle Syriens in der gegenwärtigen Nahostpolitik ist aber ein wenig im Fluss und niemandem kann an einer neuen Verhärtung gelegen sein.

Neuer Affront gegen Syrien


Syrien wird nicht nur in der Irak-Frage gebraucht, es muss auch zu einer Lösung des Libanonkonflikts beitragen und ein Nahostfrieden ohne Syrien bliebe unvollständig. Damaskus muss deswegen eingebunden werden, man wird es nicht zur Gefügigkeit herbei bomben können.

Israel hatte letztes Jahr angebliche Atomanlagen in Syrien bombardiert und es war erstaunlich ruhig geblieben. Der Mord an Mughnieyeh wird ein neuer Testfall sein. So wenig man dem Ermordeten wohl nachzutrauern hat und so sehr man auch die Zufriedenheit derer verstehen kann, die ihn jahrelang gejagt haben: Ein Beitrag zu Ruhe und Frieden war dieser Mord sicher nicht.





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